Ein Tanz im Rad

„Psychologie-Leben-Heute“

In der Auseinandersetzung mit der Geschichte der Naturvölker Amerikas und deren Lebenspraktiken und Einsichten, bin ich auf ein paar interessante Details gestoßen. In der weit verbreiteten Annahme, dass die Quelle aller Schöpfungen, durch den großen Geist gespeist wird, die als schöpferisch-begriffliche Kraft weibliches und männliches Potential in sich vereint, lassen sich Parallelen zu der Jungschen Auffassung des Individuationsprozesses erkennen.

Das Symbol „Kreuz in einem Kreis“, dessen Kardinalpunkte gleichermaßen Berührungspunkte darstellen und somit die vier Himmelsrichtungen markieren, ist Ausdruck all unserer Kräfte, die im Kreislauf der Natur ihre Vollendung finden. Aus dieser Symmetrie und den Kreuzungspunkten, wurden die fünf Aspekte des Menschen abgeleitet, die sich aus den emotionalen, körperlichen, geistigen, spirituellen und sexuellen Anteilen unsere Persönlichkeit zusammen setzen. Jeder Anteil hat einen fixen Platz im System und steht auch in Beziehung zu. Eine verhältnismäßig gleichberechtigte Aufteilung. Das wiederum, verlangt nach Balance.

Im ursprünglichen Bild der Indianer war das Kreuz in die vier Elemente unterteilt, worin Luft dem Norden, Feuer dem Osten, Erde dem Westen und das Wasser dem Süden zugeteilt wurde. Die Mitte und der Schnittpunkt, stellte den „gestaltfreien Geist“ dar, jener, der Alles in sich vereint. Ein Zusammenwirken aller Elemente in ungeformtem Zustand. Dieser Punkt wird bei C.G.Jung mit dem kollektiven Unbewußten und dem Archetypischen assoziiert. (vgl. LOOMIS, 1994)

Die Wesensmerkmale der Elemente beruhen auf: dem Fließen, dem Halten, dem Aufnehmen und  dem Umwandeln von Kräften.

Mit anderen Worten ausgedrückt, können wir aus all den elementaren Kräften eine bestimmmte Lehre ziehen. Kurzum: Alles ist mit Allem verbunden. Das wiederum würde bedeuten, dass, wenn wir erkranken oder an seelischer Not leiden, aus welchen Gründen auch immer, es einer ganzheitlichen Sicht bedarf, um die Balance wieder her zu stellen. Wenn unserer Verbundenheit nicht dort aufhört, wo wir glauben,dass es eine physische Trennung zwischen mir und der Umwelt gibt, dann ermöglichen wir uns, sich unserer fundamentalen Kräfte zu bedienen. Was aber noch lange nicht bedeutet, dass das Auftreten von  Gefühlen wie Ärger, Stress, Depression oder anderen Symptomen deswegen gebannt ist. Gerade diese Äußerungen sind wunderbare  Indikatoren von Kräfteverschiebeungen innerhalb unseres Systems. Und da wir ja nicht nur von Emotionen geleitet werden, nimmt innerhalb des Kreissystems auch die Kraft des Geistes eine tragende Rolle ein. Auch hier gibt es interessanterweise eine Sicht von C.G.Jung, die sich mit der Entwicklung des Geistes, hin zur Ganzheit, beschäftigt.                                     “ Werde der/die du bist!“. Ein Individuationsprogramm.

Der elementare Geist, der sich aus einer Selbstzentrierung, hin zu einer Selbsdisziplinierung bis hin zu einer spirituellen Entfaltung, entwickelt.

Die Ureinwohner Amerikas nannten diese Veränderungen innerhalb des Kreises, den „TANZ DES RADES“ und diese Beschreibung finde ich sehr schön, da sie aufzeigt, das eine Veränderung nie linear stattfindet, sondern sich rhythmisch mit und im Kreis der Zeit weiter dreht. Die Veranschaulichung des Zusammenwirkens zwischen den fünf  Aspekten in unserem Leben, die einander bedingen, einander brauchen und nähren, gleicht einem Schaltkreis, der in all seinen Funktionen stets bedient werden kann. Die  Ausrichtung des  Systems auf seine elementaren Stärken: zu fließen, zu halten, aufzunehmen und umzuwandeln, verlangt keine großen Eingriffe, aber manchmal vielleicht neue Einblicke!

Einblicke, die wir auch rück-blickend betrachtet, als das größte Geschenk unseres Lebens annehmen können.  Ein System, das alles bereit hält. Ein System, dass sich nicht dem Kräftemessen verschreibt, sondern Kräfte so nützt, dass sich aus jeder neuen Situation das zu  entwickeln vermag, wofür es die Energie bereithält.                                              Ein ewiger Kreis. Ein schöner Gedanke.

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„Kunsttherapie hat ein breites Feld an Wirkungsmöglichkeiten“

Ich bin in der glücklichen Lage, bereits einen tieferen Einblick in unterschiedliche Institutionen mit sozialem Auftrag, gewährt bekommen zu haben. In jedem der Institutionen war es ein Pilotprojekt mit kunsttherapeutischen Methoden zu arbeiten. Unabhängig davon, ob es sich um ein Mutter-Kind Wohnheim oder ein Nachbarschaftszentrum gehandelt hat. In beiden Einrichtungen ging es um eine bestimmte Ausrichtung, persönliche Ressourcen zu stärken, diese in den Alltag zu integrieren,
an den eigenen Themen zu wachsen, diese zu stärken und an Perspektiven zu arbeiten. Das ist ein Teil  meiner kunsttherapeutischen Arbeit.

Umso mehr freut es mich, dass diese komplementäre Form in ein bestehendes System integriert worden ist, das auch immer einer teilweise starren Struktur unterliegt. Dennoch gibt es Wege, diese Strukturen zu öffnen, um an einer Erweiterung der persönlichen Entwicklung und Integration im Sinne der Bedürfnisorientierung zu handeln und zu begleiten.

Meine aktuelle, kunsttherapeutische Arbeit hat mich in einen neuen Bereich geführt. Kunsttherapie in Begleitung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Die Auseinandersetzung mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, verlangt auch eine neue Herangehensweise, eine neue Begegnung. Sich noch mehr auf die spontane Situation einlassen zu dürfen, ist großteils eine Herausforderung, die abweicht von meiner vorgegeben Struktur, in der Form der Vorbereitung, dass ich aufgrund eines bestimmten Themas, mir therapeutische Interventionen überlege. Hier ist zusätzlich noch Intuition und Spontanität gefragt.

In der empathischen Begleitung von Menschen  liegt ein Raum, der ermöglicht und offen lässt. Sowohl als auch. Es ist nicht nur eine Begegnung, die in eine Richtung strebt, sondern vielmehr im Austausch zu einer Kommunikation führt, die über die Bildersprache einen neuen  Ausdruck findet. Den Moment einzufangen,und darüber hinaus an einem Thema zu arbeiten, ist Teil kunsttherapeutischer Aufmerksamkeit, der man sich in jedem Setting immer wieder von Neuem bewusst wird.

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