Kreativitätsrarität

Ist Schreiben zu einer antiquierten Rarität verkommen?  Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die ich letzten Sommer auf der Donauinsel erlebt habe.

Ich gehöre ja nach wie vor zu jenen wenigen Personen, die regelmäßig handschriftlich Texte und Botschaften verfassen. Am liebsten natürlich in der Natur, und da ich quasi im Sommer auch auf der Donauinsel wohne, gehören zu meiner Standardausrüstung  Papier und Schreibzeug. Ich mach’s mir dann auf einer Decke oder einer Bank gemütlich, drapiere meine Isolierkanne und mein Jausenpäckchen um mich, und beginne in der Regel mit Lesen. Irgendwann muss ich aber einem in mir aufkeimenden Wunsch nach Schreiben folgen. Meist schreibe ich dann absichtslos, Momentaufnahmen, Beobachtungsfetzen (so in etwa im Stile Julia Camerons Morgenseiten https://www.facebook.com/juliacameronlive/), oder manchmal auch zielgerichtet.

So saß ich auch an jenem Sommertag auf meiner Decke, so vor mich hinschreibend, als ich jemamden auf mich zukommen sah. Ausgerüstet mit einer ziemlich professionell wirkenden Kamera, fragte er mich, ob er ein paar Fotos von mir machen dürfe. Ich war etwas irritiert, aber nicht unangenehm berührt, da es so rüberkam, als wäre es von echtem Interesse. Ich fragte nach, warum er denn fotografieren möchte, und er erzählte mir von seinem Vorhaben, einen Bildband über Wien machen zu wollen, und dass er auf der Suche nach Motiven sei. Die Kombination aus Schreiben, Kaffeetrinken (aus meiner Lieblingstasse, versteht sich) und der Kulisse der vorbeiströmenden Donau, dürfte als Motiv interessant genung gewesen sein.  Außerdem, fügte er hinzu, fand er es außergewöhnlich, dass ich schrieb. Wir unterhielten uns dann noch einige Zeit, er machte Fotos und ging weiter, wohl auf der Suche nach anderen „Raritäten“. http://www.arnoldpoeschl.com/ (book in progress)

Ich musste dann noch länger darüber nachdenken. Ist Schreiben wirklich schon zu so einer Rarität geworden, dass es in einen Bildband  gehört? Man hat 2015 doch tatsächlich noch mit der Hand geschrieben, lautet dann die Botschaft. Es hinterließ ein eigenartiges Gefühl in mir. Ist es wirklich die rasante Entwicklung digitaler Kommunikation und social media, die das Schreiben verdrängen? Und wieviel Sinn macht es, es zu pflegen und aufrecht zu erhalten? Das mag wohl jeder für sich beantworten.

Ich muss zugeben, dass meine eigenen „Schreiberinnerungen“ an die Schulzeit alles andere als schön sind, und wohl kaum eine große Affinität zum Schreiben bewirkt haben. Meine Lust am Schreiben habe ich erst später mit der Korrespondenz entdeckt. Ich bin ja aufgewachsen in einem Tal, wo Dörfer kilometerweit auseinander liegen, und das Erreichen der Schulstadt mit zweistündiger Zugfahrt zu überbrücken war. Und dann noch zu einer Zeit, wo man sich schon tagelang vorher ausmachen musste, wann und wo man sich traf. Hatte man sich aber darüber hinaus noch was zu sagen (was ja bei jungen Menschen auch damals schon so war), dann schrieb man sich auch ab und an. Auch später, als ich für einige Zeit in Amerika war, war die Briefform eine höchst willkommene und erfreuliche Austauschmöglichkeit. Natürlich ist es mit facebook oder skype wesentlich einfacher heute, aber es war halt damals  viel, viel persönlicher, so denke ich.

Seit meiner Zeit in Wien (1988), hat mir meine Mutter (ich hoffe, dir geht’s gut da oben) immer wieder Briefe geschickt. Ich habe diese sehr geschätzt, da ich wusste, sie hatte sich extra dafür Zeit dafür genommen, sich hingesetzt und ihren Gedanken freien Lauf gelassen. Und wenn sie dann kein Schreibpapier zuhause hatte (was sehr oft vorkam, weil sie mit dem Nachkauf nicht immer mithalten konnte), dann nahm sie ein Flugblatt, einen Zeitungsausschnitt oder ein Kalenderblatt (einmal war es sogar eine Todesanzeige, so erfuhr ich gleich auch immer etwas, naja, das war nicht ganz so von brennendem Interesse). Aber es waren immer die originellsten Briefe, die mich auch stets herausgefordert hatten, an den richtigen Stellen weiter zu lesen. Es war schön. Ich danke dir dafür.

Ja, woran liegt es denn nun, dass kaum noch geschrieben wird? Möglicherweise doch an der Tatsache, dass es ein mehr an Zeit in Anspruch nimmt, indem ich mir auch zu der Art und Ausführung der Mitteilung  Gedanken mache. Eine Nachricht, die nicht sofort wo ankommt. Unvorstellbar. Schreiben ist auch ein In-Beziehung-Treten. Und wieviel schöner und freudvoller ist es doch, wenn ich das in Form meiner Handschrift machen kann.                                                                                                                                                                      Schreiben, das nur dem Schreiben dient, ohne Mehrwert, ohne Nutzen? Unvorstellbar. Ich kann dem soviel entgegenhalten, dass gerade das Schreiben an sich, ungeschönt, eine unglaublich  Kraft der eigenen Worte darstellt, und sich je nach Situation, befreiend, beseelend oder auch kreativ gestalten kann. Und das ist ganz individuell.

Darum bin ich eine glühende BefürWORTerin des Schreibens. Antiquiert, aber mit sehr viel Freude am Tun! Jetzt habe ich diesen Text in den PC geklopft. Getan. Und ich hatte mein persönliches  Schreiberlebnis ja bereits heute Nachmittag im Prater. (18 C°. Alt-Altweibersommer, auch antiquiert!)  Hier der Beweis!

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Wozu das Ganze?

oder das Leben der Ikea Philosophie!

Ich möchte mich einmal abseits der Farben, ganz dem „Sein“ widmen, oder vielmehr der Annäherung an das, was das Sein ausmachen kann, darf, will und vielleicht soll. Bestimmt hat jeder dazu seine eigene Sicht. Und das ist gut so. Aber sich wieder einmal  damit zu beschäftigen, lässt womöglich wieder einen neuen Blick darauf werfen. Einen Versuch ist es wert.

Sein, so sein, jetzt sein, eine wie man weiß, aus allen spirituellen Dogmen erklärtes Ziel jener Präsenz, die Vergangenes aufhebt und Zukünftiges nicht herbeisehnt. Die Wahrnehmung, die einem im Moment der Existenz genau das vermittelt: Unmittelbarkeit! Welch Wort! Diese Form der direkten, ursprünglichen und ehrlichen Art zu sein. Klingt simpel. Aber tatsächlich befinden wir uns tagtäglich mit vielen Situationen konfrontiert, die einer unmittelbaren Reaktion äußerst abträglich sind. Entscheidungen. Unsere Filter tasten nach Handlungsspielraum. Im Überprüfen, adäquat zu handeln, spielt sich im Hintergrund ein Zeitschema ab, dass sich in einem „war-ist-wird“ Durchlauf befindet, und bestenfalls, prompt in der Konsequenz daraus, in eine direkte Entscheidung mündet. So sein. Hier liegt eine sehr starke Urteils-und Entscheidungsfähigkeit dem Sein zugrunde.

Ganz anders verhält sich das Sein im kreativen Bereich. Ein Projekt, auf das ich erst kürzlich gestossen bin, beschäftigt sich mit der Begrünung von Gebäuden und nennt sich auch das “ Vertical Farm Project“. Die Sehnsucht der Städter nach dem Grün, wird hier zur Aufgabe im öffentlichen Erscheinungsbild. Die Begrünung der Fassaden, vertikal. „Sein im Werden“. Interaktiv und Teil einer neuen Entwicklung, stellt vielleicht auch hier den Versuch im „Jetzt sein“ auf Probe, schon fortschrittlich, da bereits prognostiziert wurde, dass  im Jahre 2050, 80% der Bevölkerung sich in Städten aufhalten werden, und eine Form des „urban gardenings“ unabdingbar sein wird. Ausweg nach oben?

Und da scheint  noch etwas zu sein, die Ikea Philosophie. Warum schafft ein Konzern soviel an Wohlgefühl im Hier und Jetzt, obwohl sich jeder über die  Gebrauchsanleitung ärgert und am Ende darüber freut, dass es doch geschafft wurde?.Vielleicht verhält es sich mit dieser Erkenntnis ebenso, wie mit der Tatsache, dass man sich freiwillig am Samstag in den Bus setzt, oder  sein Auto anwirft, um an etwas teil zu haben, dass einem das Gefühl vermittelt: hier kann ich so sein, wie ich bin: ein  Raumgefühl, Wohlfühlatmosphäre, ich darf ausprobieren, ich habe ein zuhause, dass alles bedient. Selbst Kulinarisches. Ich muss nichts kaufen, und am Ende gehe ich zumindest mit 100 Servietten oder neuen Polsterüberzügen nach Hause, aber immer noch mit einem guten Gefühl von  „Sein“. Partizipation.

Ja, mit dem Sein ist es nicht einfach, und doch sind wir alle im Sein oder doch mehr im Tun? Vielleicht ist das Sein ohne dem Tun nicht wirklich existent? Tun wir zu viel oder zu wenig um zu sein? Wozu das Ganze?

Ich lade euch ein, euch diesem Thema zu stellen.

Soviel zum Thema. Wozu das Ganze: Partizipation!