Jahrhundertfrauen

Dieser Titel stammt nicht von mir. Es ist ein Film, der gerade im Kino läuft. Der Titel alleine hat mein Interesse nicht geweckt. Auch nicht die Besetzung. Es ist ein Film über das Erwachsenwerden, der beiläufig eine ganze Epoche portraitiert. Wie viele Auseinandersetzungen dazu gibt es dazu bereits ? Ist auch egal.

Ich habe ihn mir angeschaut. Ich wollte einfach wissen, was dahinter steckt. Und ich muss zugeben, ich war überrascht. Erlebniswelten unterschiedlichster persönlicher,  historischer und kultureller Entwicklungen lassen sich unschwer auf einen Nenner bringen. Und dennoch, es gelingt in diesem Film einen Spannungsbogen her zu stellen, der Frauen so beleuchtet, dass sie in der ihrer innewohnenden Kraft und gleichzeitig existierenden Verletzlichkeit, niemals als Verlierer oder Gewinner da stehen. Vielmehr zeichnet der Film den Umriss des Lebens in so wunderbaren Weise nach, dass es Situationen im Leben gibt, deren Konsequenz man sich manchmal nicht im Geringsten  bewusst ist, aber, durch das Vertrauen in die eigene Kraft, und die der Beziehung zu den anderen, der Entwicklung stand hält.  Inhalte generieren sich immer wieder von Neuem. Es ist, glaube ich, keine Frage der Zeit, es ist vielmehr eine Frage der Haltung und der Aufgeschlossenheit gegenüber den Zeichen der Zeit. Und, wie wunderbar, 1979,  es wird hemmungslos geraucht.

„Prädikat“ sehenswert. Ein Prädikat wird meist durch ein Verb gebildet. Hier vielleicht zwei: sehen und hören!

Kreativitätsrarität

Ist Schreiben zu einer antiquierten Rarität verkommen?  Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die ich letzten Sommer auf der Donauinsel erlebt habe.

Ich gehöre ja nach wie vor zu jenen wenigen Personen, die regelmäßig handschriftlich Texte und Botschaften verfassen. Am liebsten natürlich in der Natur, und da ich quasi im Sommer auch auf der Donauinsel wohne, gehören zu meiner Standardausrüstung  Papier und Schreibzeug. Ich mach’s mir dann auf einer Decke oder einer Bank gemütlich, drapiere meine Isolierkanne und mein Jausenpäckchen um mich, und beginne in der Regel mit Lesen. Irgendwann muss ich aber einem in mir aufkeimenden Wunsch nach Schreiben folgen. Meist schreibe ich dann absichtslos, Momentaufnahmen, Beobachtungsfetzen (so in etwa im Stile Julia Camerons Morgenseiten https://www.facebook.com/juliacameronlive/), oder manchmal auch zielgerichtet.

So saß ich auch an jenem Sommertag auf meiner Decke, so vor mich hinschreibend, als ich jemamden auf mich zukommen sah. Ausgerüstet mit einer ziemlich professionell wirkenden Kamera, fragte er mich, ob er ein paar Fotos von mir machen dürfe. Ich war etwas irritiert, aber nicht unangenehm berührt, da es so rüberkam, als wäre es von echtem Interesse. Ich fragte nach, warum er denn fotografieren möchte, und er erzählte mir von seinem Vorhaben, einen Bildband über Wien machen zu wollen, und dass er auf der Suche nach Motiven sei. Die Kombination aus Schreiben, Kaffeetrinken (aus meiner Lieblingstasse, versteht sich) und der Kulisse der vorbeiströmenden Donau, dürfte als Motiv interessant genung gewesen sein.  Außerdem, fügte er hinzu, fand er es außergewöhnlich, dass ich schrieb. Wir unterhielten uns dann noch einige Zeit, er machte Fotos und ging weiter, wohl auf der Suche nach anderen „Raritäten“. http://www.arnoldpoeschl.com/ (book in progress)

Ich musste dann noch länger darüber nachdenken. Ist Schreiben wirklich schon zu so einer Rarität geworden, dass es in einen Bildband  gehört? Man hat 2015 doch tatsächlich noch mit der Hand geschrieben, lautet dann die Botschaft. Es hinterließ ein eigenartiges Gefühl in mir. Ist es wirklich die rasante Entwicklung digitaler Kommunikation und social media, die das Schreiben verdrängen? Und wieviel Sinn macht es, es zu pflegen und aufrecht zu erhalten? Das mag wohl jeder für sich beantworten.

Ich muss zugeben, dass meine eigenen „Schreiberinnerungen“ an die Schulzeit alles andere als schön sind, und wohl kaum eine große Affinität zum Schreiben bewirkt haben. Meine Lust am Schreiben habe ich erst später mit der Korrespondenz entdeckt. Ich bin ja aufgewachsen in einem Tal, wo Dörfer kilometerweit auseinander liegen, und das Erreichen der Schulstadt mit zweistündiger Zugfahrt zu überbrücken war. Und dann noch zu einer Zeit, wo man sich schon tagelang vorher ausmachen musste, wann und wo man sich traf. Hatte man sich aber darüber hinaus noch was zu sagen (was ja bei jungen Menschen auch damals schon so war), dann schrieb man sich auch ab und an. Auch später, als ich für einige Zeit in Amerika war, war die Briefform eine höchst willkommene und erfreuliche Austauschmöglichkeit. Natürlich ist es mit facebook oder skype wesentlich einfacher heute, aber es war halt damals  viel, viel persönlicher, so denke ich.

Seit meiner Zeit in Wien (1988), hat mir meine Mutter (ich hoffe, dir geht’s gut da oben) immer wieder Briefe geschickt. Ich habe diese sehr geschätzt, da ich wusste, sie hatte sich extra dafür Zeit dafür genommen, sich hingesetzt und ihren Gedanken freien Lauf gelassen. Und wenn sie dann kein Schreibpapier zuhause hatte (was sehr oft vorkam, weil sie mit dem Nachkauf nicht immer mithalten konnte), dann nahm sie ein Flugblatt, einen Zeitungsausschnitt oder ein Kalenderblatt (einmal war es sogar eine Todesanzeige, so erfuhr ich gleich auch immer etwas, naja, das war nicht ganz so von brennendem Interesse). Aber es waren immer die originellsten Briefe, die mich auch stets herausgefordert hatten, an den richtigen Stellen weiter zu lesen. Es war schön. Ich danke dir dafür.

Ja, woran liegt es denn nun, dass kaum noch geschrieben wird? Möglicherweise doch an der Tatsache, dass es ein mehr an Zeit in Anspruch nimmt, indem ich mir auch zu der Art und Ausführung der Mitteilung  Gedanken mache. Eine Nachricht, die nicht sofort wo ankommt. Unvorstellbar. Schreiben ist auch ein In-Beziehung-Treten. Und wieviel schöner und freudvoller ist es doch, wenn ich das in Form meiner Handschrift machen kann.                                                                                                                                                                      Schreiben, das nur dem Schreiben dient, ohne Mehrwert, ohne Nutzen? Unvorstellbar. Ich kann dem soviel entgegenhalten, dass gerade das Schreiben an sich, ungeschönt, eine unglaublich  Kraft der eigenen Worte darstellt, und sich je nach Situation, befreiend, beseelend oder auch kreativ gestalten kann. Und das ist ganz individuell.

Darum bin ich eine glühende BefürWORTerin des Schreibens. Antiquiert, aber mit sehr viel Freude am Tun! Jetzt habe ich diesen Text in den PC geklopft. Getan. Und ich hatte mein persönliches  Schreiberlebnis ja bereits heute Nachmittag im Prater. (18 C°. Alt-Altweibersommer, auch antiquiert!)  Hier der Beweis!

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  soviel zum Thema: Ist Schreiben zu einer antiquierten Rarität verkommen?

Für Pia

Ich war in letzter Zeit sehr nachlässig mit meinen Berichten…aber ganz und gar nicht nachlässig mit „Leben“. Ich durfte wundervolle Tage im Salzkammergut verbringen und die Ernte, wenn man das so nennen kann, ist ein Gedicht, das ich für meine Tochter geschrieben habe, und natürlich auch für alle, die sich damit identifizeren können.

Für Pia

Sometimes there is a crack in the flow,and when ever you know, and realize this  crack in the flow – it’s up to you, and you are having the chance to go! and on the other side-love and  awareness is wide! turn this page, because there are so many ways to come-and take this new stage! love seems  to be a hard way to go-but what ever you should  know:

love should come easy! although!

 

Jeder Tag…

Jeder Tag, ein Abschied, oder die wiedergewonnene Erkenntnis  bedingungsloser Liebe!

Das klingt gerade so, als würde ich etwas erfahren haben, das es so nicht gibt, oder gerade eben, es genau deswegen gibt, weil Beides sich nicht ausschließt. Einatmen, Ausatmen. Dann möchte ich einmal einen Blick darauf werfen.

Ich habe meine Mutter eine Woche vor ihrem Tod gesehen, und mit ihr einige Stunden verbracht, nicht wissend, dass es das letzte Mal war. Aber rückwirkend betrachtet, war es eine sehr bewusst gelebte, intensive Zeit, die das beinhaltet hatte, worin auch für mich diese Begegnung in der Weise stattgefunden hat,  wie sie beinahe immer war. Nämlich, dass wir uns annehmen konnten, wie wir sind. In all unserer Unvollkommenheit, in all unseren Stärken und Schwächen. Es beruhte auf Gegenseitigkeit. Wir wussten voneinander. Und übten uns darin, auch zu akzeptieren. Unsere Gespräche hatten nicht mehr die gleiche Intensität wie früher, aber sie waren ehrlich, und so gemeint, wie sie waren. Wir hatten Blickkontakt und Berührung. Wir waren uns nahe.  Nach so vielen Jahren, und nach so vielen Ungereimtheiten, die es auch immer wieder gab.

An Dich, liebe Mama!

Wie sehr bewundere ich immer noch deine Bereitschaft, etwas an zu nehmen, wo ich wusste, dass du dir das so anders gewünscht hättest. Aber du hast immer das Wollen und Streben deiner Kinder und deiner Mitmenschen rund um dich akzeptiert. Weil du immer der Mensch warst, mit der Überzeugung, dass Menschen aus ihrer Liebe, Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit und Überzeugung heraus handeln, und für sich selbst am besten wissen, und dass am besten können, was sie können, warst du immer im Einklng mit dir und der Natur.  Selbst zu sein, das war immer dein Credo. Und nicht aus lauter Selbstsucht, dem zu verfallen, dass es den Beifall auch von außen braucht.  Das war dir zuwider, und du hattest es auch nicht nötig. Du hattest wenig . Wenig Mitteln, um ein Leben sorglos zu führen. Aber du hattest immer die Mitteln, um weiter zu gehen, um Sorgen los zu werden, und darin zu wachsen. Damit konntest du nach vorne blicken, und weiter gehen.  Und das wolltest du immer.

Du bist jene Frau, von der ich lernen konnte, dass nicht Herkunft zählt, um etwas zu erreichen, sondern , ein Wille, der gestärkt ist von dem Glauben, dass, wenn man das erreichen will, wofür man die Kraft hat, dann kann man über alle Grenzen hinweg das schaffen, wofür es gilt zu leben.  Das hast du mit deinem Leben bewiesen. Deine unabänderliche Kraft, dein Humor und dein Lebenswille. So erlebt mit dir. Danke! Wunderbare Frau und Mutter!

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soviel zu: Jeder Tag, ein Abschied, oder die wiedergewonnene Erkenntnis bedingungsloser Liebe!

 

Raum für…

Kurzmitteilung

Das Leben hat keine Generalprobe, oder doch?

Wenn man davon ausgeht, dass jeder Akt des Handelns im Leben, gleichsam einer Aufführung im Theater, vieler Proben bedarf, um an die  Form der Darstellung zu gelangen, die seiner/ihrer Rolle gerecht wird, dann kann man auch in seinem Leben manchmal ein Probehandeln verlangen. Jeder Schritt im Leben verlangt Übung.

Seit geraumer Zeit beschleicht mich ein Gefühl, dass diese Probezeiten im Leben nicht mehr Platz haben, da alle immer nur durch einen besonderen Auftritt glänzen müssen. Es gibt kaum eine öffentliche Wahrnehmung des Hinfallens. Aber erst wenn ich hinfalle, kann ich auch das wahrnehmen, was ich brauche, um wieder auf zu stehen. Die Möglichkeit des Scheiterns, setzt erst eine neue Handlung in Gang.

Geht es hier im Besonderen um: Wahrnehmung, Erkenntnis und Anpassung? oder doch mehr um die Frage nach der Wahrnehmung und/oder der Erkenntnis wider der Anpassung?

Meiner Ansicht nach, ist das Leben eine Bühne, und dann besteht Probehandeln immer darin, dass wir uns manchmal Scheitern erlauben dürfen. Immer wieder. Es braucht eben dann auch, einen Raum dafür. Regie führen wir darin aber immer selber. Manchmal wie von selbst, und manchmal auch begleitet. Das erfordert dann immer auch die Situation in unserem Leben, selbst.

Soviel zum Thema: Raum für ….und mein „ganz besonderes Anliegen“ Zeit für….

 

 

Lebensforum

Kurzmitteilung

Schicksal, Humor und Gelassenheit…..oder „das Übel“, „der Spaß“ und „die unausweichliche Methode“, damit umzugehen!                                                              Meiner Meinung nach, drei Konstanten im Leben, die nicht weg zu denken sind, und/aber  einander bedingen! Time for Poetry!

Humor and Fate                                                                                                                (they meet each other)                                                                                                     „What about your mood today?“ (Humor asks, like he always does)                               Fate answers:“Get out of my way!“                                                                                     But Humor says (with a tiny bit of sorrow and laugh in between)                                         so you don’t really mean                                                                                                          what you say,                                                                                                                      look around – what a day!                                                                                                   Well, „you are right“,( Fate says)                                                                                         the day looks bright!                                                                                                             but tell me: don’t you often miss it,                                                                                      this feeling, being in a big pool of misfit?                                                                                  Humor grins:“ No, never. I am looking for the bright, wide and  lovely smile,                       it’s so much easier, and for a while,                                                                                     it’s so much longer                                                                                                              – and believe me! It’s so much stronger!                                                                           Fate:“You are an amazing fool, believing in laughing an so much fun,                                  what the hell, have you ever done?                                                                                Humor, still smiling…“oh, it’s a question of being done?“                                                          I didn’t even know it, what a great fun!                                                                                   Fate: „I can’t stand no longer your constantly smile-                                                            he shouts,“stopp it for a while!“                                                                                              So Humor whispers:“ sorry, but I can’t do this.“                                                              cause I know, I can’t miss!                                                                                                    So they went on, in their way to bother,                                                                                but they really  couldn’t meet each other!                                                                                Meanwhile, someone took place-                                                                                          not taking part, but watching the haze….                                                                                and suddenly, Humor and Fate lost their tense-                                                                    in an upcoming way of sense-                                                                                                Calmness appeared                                                                                                                 what a great moment- all of them  cheered! (Barbara Steiner)

 

 

 

Kreativität und Neurobiologie

Ein interessantes Buch, dass mir vor Kurzem in die Hände gefallen ist, veranlasste mich, wieder einmal ein paar Fragen nachzugehen.

Gerald Hüther, Neurobiologe, Professor an der Psychiatrischen Klinik in Göttingen, und Autor zahlreicher populärwissenschaftlicher Beiträge, hat sich in seinem Buch mit der Thematik: Leistungsdruck und Stress versus Kreativität und Begeisterung, auseinandergesetzt. Die steigende Zahl an Erkrankungen wie Burnout, Depession und Demenz, scheint in einem direkten Zusammenhang mit den zum Teil, einseitigen und  begeisterungslosen Anforderungen unserer Zeit an uns Menschen, zu stehen. Wie kommt es dazu, dass es möglich ist, „auszubrennen“? Wie kommt es zu einer derartigen Erschöpfung?

Wahrscheinlich ist es nicht einfach, das zu beantworten, jedoch fand ich einige Aspekte aus der Hirnforschung, die für mich eine logische und schlüssige Konsequenz darstellen, und für mich als Befürworterin der Kreativität, einen wissenschaftlich untermauerten Zugang geschaffen haben.

Geprägt von einem Ich-Bewusstsein und einem Wir-Gefühl, werden in uns verschiedene Muster angelegt, die erfahrungsgemäß in einem neuronalen Netzwerk ausgebildet werden. In der Weise entstehen Erregungsmuster, die, je häufiger sie bedient werden, ein umso stabilerers und komplexeres Gebilde errichten. Diese „inneren Bilder“ werden abgelegt und sorgen immer dafür, dass, sobald ich mit anderen Menschen in Beziehung trete, ein spontaner Abruf an mein inneres Handlungskonzept in Gang gesetzt wird. Wir lernen anfänglich großteils  durch Imitation und in Beziehungen.

Wenn ich für einen kurzen Moment das Gedankenexperiment durchführe, in einem völlig anderen Teil der Welt geboren worden zu sein, zBsp. in Grönland oder Zentralafrika, so würde mein Leben durch meine Erfahrungen zur Gänze anders aussehen. Aber, dass sich das menschliche Gehirn innerhalb gewisser Erfahrungsmuster entwickelt, bedeutet auch, dass zum Großteil, die soziokulturelle Umwelt mitverantwortlich ist für die neuronal verschaltete Architektur des Gehirns. In dieser ständigen Orientierung an der „Umwelt“, mit dem daraus resultierenden Anpassungsprozess, stellt sich auch eine schleichende Unterdrückung eigener Bedürfnisse ein. Der Preis des „Dazugehörenwollens“ ist ein sehr hoher, und kann schließlich dazu führen, dass wir in konservativ, angepasster Weise ( ohne das werten zu wollen) eng verbunden bleiben. Oftmals ergibt sich im Zusammenleben eine fast unüberwindliche Widersprüchlichkeit, die wahrscheinlich auf der Tatsache unterschiedlichster Vorstellungen und Prägungen beruht.

Vorstellungen und Ideen können wie selbstgeschmiedete Ketten ins unserem Gehirn verankert sein. Verschaltungsmuster, die wie innere Überzeugungen unser Denken leiten. Eine allzu einseitige Erfahrungswelt verschaltet die Nervenwege allmählich zu immer breiteren Bahnen, und wenn man nicht aufpasst, zu betonierten Autobahnen, die nur mehr gerade aus führen.

Oft ist es dann sehr schwer, diese neuronalen Highways zu verlassen. Das Abbiegen auf andere Wege bedeutet meistens eine Destabilisierung der vorhandenen Reaktionsmuster. Also, wie kann ich einen niederen Gang einlegen und einen anderen Weg einschlagen? Einmal vorausgesetzt, ich möchte die Autobahn verlassen, brauche ich zumindest die Vorstellung dessen, wohin ein anderer Weg führen kann.

In unserer technokratischen Welt ersetzen Geräte unsere Handlungen in effizienter Weise. Niemand wird einer Waschmaschine die Sinnhaftigkeit und Ersparnis an Arbeit absprechen wollen. Es verlangt manchmal nur nach der Frage, ob wir nicht oft genug mit Maschinen verglichen werden, die eine rationale Produktion verlangen, aber keineswegs vergütet!  Gesteigerte Produktivität verlangt nur eins:– Leistungsdruck- der durch Wettbewerb geschürt, nur dazu führen kann, dass ein immer mehr an “ Etwas“, ein immer weniger an “ für Uns“ bedeutet.

Wenn wir in einem neuen Gedankenexperiment die Schnelligkeit unserer Autobahn verlassen, um uns auf einen neuen Pfad begeben. Was passiert? Möglicherweise wird die Angst, nicht mehr mithalten zu können, vordergründig sein, sich nicht mehr mit denen messen zu können, die in hoher Fahrt unterwegs sind, lässt uns wie Verlierer da stehen. Aber was habe ich von einem Leben in Konkurrenz und Nachahmung? Wo bleibt meine Wahrnehmung im Leben, die ich von Anfang an mitgebracht habe? Wo bleibt meine Begeisterung für das Leben?

Begeisterung ist Dünger fürs Hirn“. Dieser Satz hat mich am Nachhaltigsten  aus dem Buch von Gerald Hüther geprägt. Vielleicht kann  dieses Begeistern für Etwas im Hier und Jetzt, die Würze für unser Leben selbst geben. Im subjektiven Empfinden und Erfahren liegt ein wesentlicher Aspekt unseres Tuns. Die Begeisterung im und am Leben ist  Nährstoff, die uns zu einer Gestaltungsfreude führt, die in uns einen neuen Weg ebnet, der alte Bahnen verlässt. In dem Maße, wie wir unsere innere Struktur unterdrücken oder zulassen, wird sich auch unsere Begeisterung entfalten können.

Kreativität ist ein Teil des Schöpfens in uns, die Neues entdeckt und Neues gebiehrt. Wenn wir nicht länger dem „ERschöpfenden“ Teil in uns, den Platz einräumen, den wir für ihn geschaffen haben, dann können wir endlich das wahrnehmen, dass in uns als die Kraft verankert ist, wonach wir alle leben und leben können:

“ SCHÖPFERISCH, KREATIV und BEGEISTERT“

HÜTHER, Gerald (2011)

„Jeder Mensch ist kreativ!“

Diese, beinahe, plakative Aussage, stammt von keinem Geringeren als Stephen Nachmanovitch*, einer, der sich Kreativität zum Lebensthema gemacht, und durch ebensolche, die Spiritualität kreativer Prozesse in sein Leben integriert hat. In seinem Buch „DAS TAO DER KREATIVITÄT“ plädiert er für ein Leben mit der Kunst, und stellt die Frage, was uns eigentlich davon abhält, diese in unser Leben zu integrieren. In der Kreativität gibt es eine Vielzahl unerschöpflicher Quellen. Schon Michelangelos Theorie über die Skulptur, die schon immer im Stein gewesen ist, und nur darauf wartet, herausgelöst zu werden, klingt wie eine Aufforderung an ein Schaffen in uns. Diese Parabel veranschaulicht, dass etwas darauf wartet, geformt, gespielt und geschaffen zu werden.  Ungeachtet dessen, ob es sich um einen bildnerischen, tänzerischen, malerischen, musikalischen oder poetischen Ausdruck handelt. In der ganz persönlichen Wahrnehmung liegt der Zugang zur bewussten Erfahrung und Sinnesinformation.

Kreativität als leistungsfreie Zone ermöglicht uns in allen Bereichen zu erforschen und uns unserer Wünsche, Sehnsüchte, Sorgen und auch Ängste anzunehmen und zu benennen. Ich wage sogar zu behaupten, dass es für uns mehr als notwendig ist, sich in  anspruchsloser Haltung, unseren Themen zu widmen. Der innere Zensor, der unser Tun und Handeln täglich bestimmt, braucht gelegentlich eine Auszeit um an eine Achtsamkeit in uns zu gelangen, die unseren Leistungsaspekt auch einmal in den Hintergrund stellt.

Warum nehmen wir uns sowenig Zeit für Essentielles in unserem Leben? Eine nicht ganz einfach zu beantwortende Frage, die es aber wert ist, sich ihr zu widmen. Als Kind scheint es uns mühelos, diesem Drang und Spieltrieb zu folgen, zu entdecken und auszuprobieren. Diesem spielerischen Teil in uns schenken wir nur noch wenig Beachtung. Unsere Erziehung zielt zu sehr darauf ab unseren Intellekt einzusetzen und verdrängt unsere schöpferischen Seiten in uns. Wenn wir diesen wieder Platz einräumen und zu neuem Leben erwecken, entdecken wir möglicherweise verborgene Wünsche und Sehnsüchte. Schätze, die geborgen werden wollen und nicht länger in der kleinen Abstellkammer unserer abgestellten Kreativität allmählich  in Vergessenheit geraten. Es braucht keine Genialität eines Werkes von Michelangelo, Bach oder Rilke, um an sein eigenes Schaffen zu gelangen. Nur eine Hinwendung an die Seiten in uns, die nur dann erklingen und sich entfalten, wenn wir wieder bereit sind, hin zu sehen, zu hören  und zu fühlen.

Soviel zu: „Jeder Mensch ist kreativ!“

(*Stephen Nachmanovitch ist Musiker, bildender Künstler und Autor)

Malen als Anspruch?

Kurzmitteilung

„Ich kann nicht malen!“

„Ich bin absolut untalentiert“, „Ich werde das nur ruinieren !“ Ich bin diesen Fragen nachgegangen, da es für so viele Menschen eine Hürde darstellt, Farbe auf ein Papier oder eine Leinwand zu bringen. Worin begründet diese Zurückhaltung ? Diese Aussagen schicken entweder einen hohen Anspruch voraus, oder eine Erfahrung im Malen und Gestalten, die einer Beurteilung ausgesetzt war. Meistens begegnen wir solchen Bewertungen in der Schule.

Malen ist ein schöpferischer Akt, dem ein wertfreier Raum gebührt. Ich bestimme das Tempo, die Bewegung und die Komposition, unabhängig davon, ob es für mich ein Thema gibt. In der Hinwendung und Gestaltung liegt eine ganz besondere Kraft und Entfaltung. Und das für Jeden. Wenn Kreativität als Grundprinzip im Leben gilt, und davon bin ich überzeugt, dann stellt sie auch eine bestimmte Form von Energie dar. Wenn wir uns dieser schöpferischen Kraft öffnen, dann setzen wir auch Energie frei. In der Weise, in der wir uns unseren kreativen Seiten zuwenden, begegnen wir uns tief im Vertrauen in unser Selbst.

.„Es gibt eine Vitalität, eine Lebenskraft, eine Energie, die nur durch unser Handeln umgesetzt werden kann. Und weil es dich in der Gegenwart nur einmal gibt, ist auch dein Tun einmalig. Wen du es blockierst, wird es durch kein anderes Medium zum Ausdruck kommen. Es wird verloren gehen“ (Martha Graham).

Soviel zum Thema: “ Ich kann nicht malen!“