Kreativitätsrarität

Ist Schreiben zu einer antiquierten Rarität verkommen?  Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die ich letzten Sommer auf der Donauinsel erlebt habe.

Ich gehöre ja nach wie vor zu jenen wenigen Personen, die regelmäßig handschriftlich Texte und Botschaften verfassen. Am liebsten natürlich in der Natur, und da ich quasi im Sommer auch auf der Donauinsel wohne, gehören zu meiner Standardausrüstung  Papier und Schreibzeug. Ich mach’s mir dann auf einer Decke oder einer Bank gemütlich, drapiere meine Isolierkanne und mein Jausenpäckchen um mich, und beginne in der Regel mit Lesen. Irgendwann muss ich aber einem in mir aufkeimenden Wunsch nach Schreiben folgen. Meist schreibe ich dann absichtslos, Momentaufnahmen, Beobachtungsfetzen (so in etwa im Stile Julia Camerons Morgenseiten https://www.facebook.com/juliacameronlive/), oder manchmal auch zielgerichtet.

So saß ich auch an jenem Sommertag auf meiner Decke, so vor mich hinschreibend, als ich jemamden auf mich zukommen sah. Ausgerüstet mit einer ziemlich professionell wirkenden Kamera, fragte er mich, ob er ein paar Fotos von mir machen dürfe. Ich war etwas irritiert, aber nicht unangenehm berührt, da es so rüberkam, als wäre es von echtem Interesse. Ich fragte nach, warum er denn fotografieren möchte, und er erzählte mir von seinem Vorhaben, einen Bildband über Wien machen zu wollen, und dass er auf der Suche nach Motiven sei. Die Kombination aus Schreiben, Kaffeetrinken (aus meiner Lieblingstasse, versteht sich) und der Kulisse der vorbeiströmenden Donau, dürfte als Motiv interessant genung gewesen sein.  Außerdem, fügte er hinzu, fand er es außergewöhnlich, dass ich schrieb. Wir unterhielten uns dann noch einige Zeit, er machte Fotos und ging weiter, wohl auf der Suche nach anderen „Raritäten“. http://www.arnoldpoeschl.com/ (book in progress)

Ich musste dann noch länger darüber nachdenken. Ist Schreiben wirklich schon zu so einer Rarität geworden, dass es in einen Bildband  gehört? Man hat 2015 doch tatsächlich noch mit der Hand geschrieben, lautet dann die Botschaft. Es hinterließ ein eigenartiges Gefühl in mir. Ist es wirklich die rasante Entwicklung digitaler Kommunikation und social media, die das Schreiben verdrängen? Und wieviel Sinn macht es, es zu pflegen und aufrecht zu erhalten? Das mag wohl jeder für sich beantworten.

Ich muss zugeben, dass meine eigenen „Schreiberinnerungen“ an die Schulzeit alles andere als schön sind, und wohl kaum eine große Affinität zum Schreiben bewirkt haben. Meine Lust am Schreiben habe ich erst später mit der Korrespondenz entdeckt. Ich bin ja aufgewachsen in einem Tal, wo Dörfer kilometerweit auseinander liegen, und das Erreichen der Schulstadt mit zweistündiger Zugfahrt zu überbrücken war. Und dann noch zu einer Zeit, wo man sich schon tagelang vorher ausmachen musste, wann und wo man sich traf. Hatte man sich aber darüber hinaus noch was zu sagen (was ja bei jungen Menschen auch damals schon so war), dann schrieb man sich auch ab und an. Auch später, als ich für einige Zeit in Amerika war, war die Briefform eine höchst willkommene und erfreuliche Austauschmöglichkeit. Natürlich ist es mit facebook oder skype wesentlich einfacher heute, aber es war halt damals  viel, viel persönlicher, so denke ich.

Seit meiner Zeit in Wien (1988), hat mir meine Mutter (ich hoffe, dir geht’s gut da oben) immer wieder Briefe geschickt. Ich habe diese sehr geschätzt, da ich wusste, sie hatte sich extra dafür Zeit dafür genommen, sich hingesetzt und ihren Gedanken freien Lauf gelassen. Und wenn sie dann kein Schreibpapier zuhause hatte (was sehr oft vorkam, weil sie mit dem Nachkauf nicht immer mithalten konnte), dann nahm sie ein Flugblatt, einen Zeitungsausschnitt oder ein Kalenderblatt (einmal war es sogar eine Todesanzeige, so erfuhr ich gleich auch immer etwas, naja, das war nicht ganz so von brennendem Interesse). Aber es waren immer die originellsten Briefe, die mich auch stets herausgefordert hatten, an den richtigen Stellen weiter zu lesen. Es war schön. Ich danke dir dafür.

Ja, woran liegt es denn nun, dass kaum noch geschrieben wird? Möglicherweise doch an der Tatsache, dass es ein mehr an Zeit in Anspruch nimmt, indem ich mir auch zu der Art und Ausführung der Mitteilung  Gedanken mache. Eine Nachricht, die nicht sofort wo ankommt. Unvorstellbar. Schreiben ist auch ein In-Beziehung-Treten. Und wieviel schöner und freudvoller ist es doch, wenn ich das in Form meiner Handschrift machen kann.                                                                                                                                                                      Schreiben, das nur dem Schreiben dient, ohne Mehrwert, ohne Nutzen? Unvorstellbar. Ich kann dem soviel entgegenhalten, dass gerade das Schreiben an sich, ungeschönt, eine unglaublich  Kraft der eigenen Worte darstellt, und sich je nach Situation, befreiend, beseelend oder auch kreativ gestalten kann. Und das ist ganz individuell.

Darum bin ich eine glühende BefürWORTerin des Schreibens. Antiquiert, aber mit sehr viel Freude am Tun! Jetzt habe ich diesen Text in den PC geklopft. Getan. Und ich hatte mein persönliches  Schreiberlebnis ja bereits heute Nachmittag im Prater. (18 C°. Alt-Altweibersommer, auch antiquiert!)  Hier der Beweis!

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  soviel zum Thema: Ist Schreiben zu einer antiquierten Rarität verkommen?

Die Kraft des Schreibens

Kurzmitteilung

……beispielgebend anhand dreier Frauen, die für ganz viele Frauen, Empowerment leben!

Ich möchte hier einen Beitrag teilen, der nicht nur aufgrund der heilenden Wirkung des Schreibens beeindruckt, sondern viel mehr  wegen der Initiative jener Frauen, die sich dafür einsetzen, dass durch schöpferisches Handeln, ein Weg der Akzeptanz im Hier und Jetzt und eine Vergebung möglich sein kann. Nichts macht eine Tat ungeschehen und durch Nichts kann es wahrscheinlich jemals verstanden werden. Aber in der Weise aktiv damit umzugehen, indem Fragen gestellt, und gezielt an Personen gerichtet werden, ist ein Instrument, um damit auch „heraus zu treten“ aus Schmerz, Isolation und Scham. Es braucht ein Sprachrohr, gesprochen und/oder geschrieben. „In der Tat“  gibt es dafür Nichts. „Im Wort“ gibt es zumindest dafür einen Platz, eine Zuordnung, keine Zensur!

Ich verneige mich vor diesen Frauen, und wünsche noch vielen Menschen, dass Sie diese Chance der eigenen schöpferischen und heilenden Kraft nutzen können!

:http://www.aljazeera.com/programmes/viewfinder/2014/10/black-roses-red-dresses-201410914433470498.html

Wiener Tag der Bildung

Kurzmitteilung

In der KVH Lazarettgasse/ 18.09. ab 18.00h

„Pinselstrich trifft Tafelkultur“
Die Porzellanmalerei ist so alt wie ihre Entstehungsgeschichte. Gewinnen Sie einen Einblick in die seit 1718 tradierte Technik dieser feinen „Auf-Glasur-Malerei“. Sie lernen Grundkenntnisse des Farbmischens, Zeichnens, Lasierens und Schattierens.
Mit einem neuen Blick über den Tellerrand hinaus, kreieren Sie ihr ganz persönliches Design, und setzen dieses auf einem Gegenstand ihrer Wahl, um. Material (Pinsel, Farben, Paletten etc.) wird bereit gestellt und gesondert verrechnet (€ 25,00).

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Informationsabende für den Kurs Porzellanmalerei mit der Möglichkeit, Porzellanwerkstücke für die Kursteilnahme auszuwählen und zu bestellen (Bezahlung bei Bestellung, Erhalt bei Kursstart) für das Herbssemester am Donnerstag, 18. September 2014; für das Frühjahrssemester am Donnerstag, 29. Januar 2015, jeweils 18–19 Uhr.

K 23 Barbara Steiner € 100,50
02. Okt−30. Nov        Do 18:00–21:00         15 UE/ 5 x / 6−10 TN

K 23 Barbara Steiner € 100,50                                                                                             12. Feb−12. Mär         Do 18:00−21:00         15 UE / 5 x / 6−10 TN


 Anmeldung: Tel.: +43 1 891 74-154000/www.vhs.at/kvh                      

Bei weiteren Fragen können Sie mich gerne kontaktieren: Tel.: 0650/3051092/ barbarasteiner@schreibmalstatt.at                             

Die physikalische Kreativität

oder: Das Tao der Physik

Eine  unmögliche Vorstellung: „Physik, Kreativität und  Intuition?“                                           Eine  naturwissenschaftliche Sicht, gekoppelt mit philosophischer oder gar mystischer und kreativer Denkweise? Ist das denn möglich? Eine spannende Frage?

 Fritjof Capra und andere Physiker des 20.Jhdt.(Werner Heisenberg zBsp.) , waren überzeugt davon, dass die fruchtbarsten Entwicklungen dort entstehen, wo unterschiedliche Entwicklungen des Denkens zusammenfinden. Eine Auseinandersetzung mit der Physik über die Jahrhunderte hinweg, würde den Rahmen sprengen, aber was hier für mich wesentlich erscheint, ist ein Blick auf die Geschichte, in der Naturwissenschaft, Philosophie, Religion und Kultur noch nicht voneinander getrennt waren und es primär um die Ergründung der Urbeschaffenheit der Dinge ging.

Hier gab es immer wieder ganz unterschiedliche Strömungen. Hier zBsp. möchte ich Heraklit von Ephesos erwähnen, der in seiner Auffassung des ständigen Wandelns und Fließens „panta rhei“, der  indischen und chinesischen Philosophie des  Denkes am Nächsten stand. Das all durchdringende und zyklische Zusammenspiel, nannte er Logos. Dieser Ansatz einheitlichen Denkens, begann sich aber mit dem Dualismus der „Eleaten“ zu spalten, die der Ansicht waren, dass es eine Trennung von Geist und Materie gibt. Hierfür bekannt wurde Parmenides, der das Sein als unveränderliche und einzigartige Konstante sah, und so auch propagierte. Dieser Dualismus hat fortan auch die westliche Denkweise stark beeinflußt. Aus diesen beiden Haltungen des unwandelbaren Seins und der, des ewigen Werdens, entwickelte sich die Erkenntnis des Atoms, einer manifesten Materie, als Grundbaustein aller Entwicklungen. In diesem „Zwiespalt“ um die Sicht einer Weltordnung, die über einen sehr langen Zeitraum über das aristotelische Weltbild geprägt wird, unterstützt durch die entmaterialisierte Weltsicht der Kirche, entwickelt sich eine ganz andere Sicht auf die materielle Sicht der Welt. Wenn ich zurückblicke und meinen letzten Beitrag über den Tanz des Rades hier in Betracht ziehe, so möchte ich daran erinnern , dass es auch hier um zyklische und einander bedingende Modi ging, und nie nur einer linearen Entwicklung entsprach. Ja, wie verhält es sich dann mit dem Wissen Um und mit dem Sein Für? Ist es etwas, dass uns alle betrifft, oder nur wenige, die glauben darum zu wissen? Ist nicht gerade  der Glaube ein Paradoxon des Wissens? oder bedingen sie letztendlich einander? Mein Lieblingszitat dazu ist: Wissen ist Macht, ich weiß Nichts, macht nichts!“ (dabei weiß ich jetzt nicht, ob es von Platon oder Aristoteles stammt?)

„Wahrscheinlich darf man ganz allgemein sagen, dass sich in der Geschichte des menschlichen Denkens oft die fruchtbarsten Entwicklungen dort ergeben haben, wo zwei verschiedene Arten des Denkens sich getroffen haben. Diese veschiedenen Arten des Denkens mögen ihre Wurzeln in verschiedenen Gebieten der menschlichen Kultur haben oder in verschiedenen Zeiten, in verschiedenen kulturellen Umgebungen oder verschiedenen religiösen Traditionen. Wenn sie sich nur wirklich treffen, dh., wenn sie wenigstens so weit zueinander in Beziehung treten, dass eine echte Wechselwirkung stattfindet, dann kann man darauf hoffen,dass neue und interessante Entwicklungen folgen.“( Werner Heisenberg)

Dass, das Denken, seit jeher eine Vormachtstellung inne hat, lässt sich in der Geschichte genauso gut verfolgen, wie im Jetzt. Empfindungen, Intuition, Emotionen, das findet in unserer rational-denkenden Weltsicht, wenig an Beachtung.

Kein Naturwissenschaftler ist angewiesen auf die Praktiken eines Zen Meisters oder Taoisten, und ebensolche brauchen sich nicht mit der Physik auseinandersetzen. Dennoch scheint es auch hier eine große Anziehung zu geben, da jegliche Daseinsform Energie ist, und Alles mit allem verbunden scheint. Die Forschung des 20 Jhdt. brachte  viele neue Erkenntnisse an den Tag. Die subatomaren Teilchen, die in einer permanenten Wechselbeziehung zueinander stehen, und sich fast wie in einem kosmischen Tanz von Energie bewegen und vergehen.                                                                                             So auch dargestellt durch den Tanz des Gottes Shiva, im ständigen Wechsel zwischen Tod und Geburt.

Tatsächlich befindet sich unser Leben in einem immerwährenden Strom zwischen Tod und Geburt. Der Blick auf das Wesentliche, der bleibt uns manchmal verwehrt. Und hier beginnt das Tao zu wirken. Ein Credo auf das  „Wissen Um“, und das  „Sein Für“.

Warum auch immer. Eine Frage, die sich jeder selbst stellt;

und: *immer wieder einmal gestellt werden sollte!*

Soviel zu: Die physikalische Kreativität

Wozu das Ganze?

oder das Leben der Ikea Philosophie!

Ich möchte mich einmal abseits der Farben, ganz dem „Sein“ widmen, oder vielmehr der Annäherung an das, was das Sein ausmachen kann, darf, will und vielleicht soll. Bestimmt hat jeder dazu seine eigene Sicht. Und das ist gut so. Aber sich wieder einmal  damit zu beschäftigen, lässt womöglich wieder einen neuen Blick darauf werfen. Einen Versuch ist es wert.

Sein, so sein, jetzt sein, eine wie man weiß, aus allen spirituellen Dogmen erklärtes Ziel jener Präsenz, die Vergangenes aufhebt und Zukünftiges nicht herbeisehnt. Die Wahrnehmung, die einem im Moment der Existenz genau das vermittelt: Unmittelbarkeit! Welch Wort! Diese Form der direkten, ursprünglichen und ehrlichen Art zu sein. Klingt simpel. Aber tatsächlich befinden wir uns tagtäglich mit vielen Situationen konfrontiert, die einer unmittelbaren Reaktion äußerst abträglich sind. Entscheidungen. Unsere Filter tasten nach Handlungsspielraum. Im Überprüfen, adäquat zu handeln, spielt sich im Hintergrund ein Zeitschema ab, dass sich in einem „war-ist-wird“ Durchlauf befindet, und bestenfalls, prompt in der Konsequenz daraus, in eine direkte Entscheidung mündet. So sein. Hier liegt eine sehr starke Urteils-und Entscheidungsfähigkeit dem Sein zugrunde.

Ganz anders verhält sich das Sein im kreativen Bereich. Ein Projekt, auf das ich erst kürzlich gestossen bin, beschäftigt sich mit der Begrünung von Gebäuden und nennt sich auch das “ Vertical Farm Project“. Die Sehnsucht der Städter nach dem Grün, wird hier zur Aufgabe im öffentlichen Erscheinungsbild. Die Begrünung der Fassaden, vertikal. „Sein im Werden“. Interaktiv und Teil einer neuen Entwicklung, stellt vielleicht auch hier den Versuch im „Jetzt sein“ auf Probe, schon fortschrittlich, da bereits prognostiziert wurde, dass  im Jahre 2050, 80% der Bevölkerung sich in Städten aufhalten werden, und eine Form des „urban gardenings“ unabdingbar sein wird. Ausweg nach oben?

Und da scheint  noch etwas zu sein, die Ikea Philosophie. Warum schafft ein Konzern soviel an Wohlgefühl im Hier und Jetzt, obwohl sich jeder über die  Gebrauchsanleitung ärgert und am Ende darüber freut, dass es doch geschafft wurde?.Vielleicht verhält es sich mit dieser Erkenntnis ebenso, wie mit der Tatsache, dass man sich freiwillig am Samstag in den Bus setzt, oder  sein Auto anwirft, um an etwas teil zu haben, dass einem das Gefühl vermittelt: hier kann ich so sein, wie ich bin: ein  Raumgefühl, Wohlfühlatmosphäre, ich darf ausprobieren, ich habe ein zuhause, dass alles bedient. Selbst Kulinarisches. Ich muss nichts kaufen, und am Ende gehe ich zumindest mit 100 Servietten oder neuen Polsterüberzügen nach Hause, aber immer noch mit einem guten Gefühl von  „Sein“. Partizipation.

Ja, mit dem Sein ist es nicht einfach, und doch sind wir alle im Sein oder doch mehr im Tun? Vielleicht ist das Sein ohne dem Tun nicht wirklich existent? Tun wir zu viel oder zu wenig um zu sein? Wozu das Ganze?

Ich lade euch ein, euch diesem Thema zu stellen.

Soviel zum Thema. Wozu das Ganze: Partizipation!

Poesietherapie…….

……und die Kraft des Schreibens!

Wie bei allen kreativen und expressiven Therapien werden auch in der Poesietherapie durch die Förderung der schöpferischen Potentiale, der Wahrnehmungsschulung und der erweiterten Erlebnisfähigkeit, Ressourcen aktiviert, die einer Entwicklung und Heilung dienen können.  Die Erfahrung dieser stärkenden  Wirkung des Schreibens geht wahrscheinlich schon bis ins alte Ägypten und in späterer Folge auf die altgriechischen Philosophen der Antike zurück. Über Jahrhunderte hinweg bedienten sich Schriftsteller und Dichter der Kraft des Schreibens, sowohl in autobiographischer als auch literarischer und aufklärerischer Form. Das 19.und 20.Jhdt. war geprägt von umwälzenden Ereignissen in der Weltgeschichte und damit einher ging auch eine neue Entwicklung in der Tiefenpsychologie. Sowohl Sigmund Freud als auch C.G.Jung führten Selbstanalyse durch ihre Traumtagebücher durch. Die daraus gewonnene Bedeutung des Schreibens zur Selbsterkundung und Selbstanalyse führte schließlich auch zu einer abgeleiteten Form der therapeutischen Begleitung durch das Schreiben. Die Freude über diese neuen Erkenntnisse sollte jedoch nicht lange währen, da durch den aufkeimenden Nationalsozialismus eine Auseinandersetzung hinsichtlich eigener Biographie und persönlicher Bedürfnisse nicht erwünscht war und somit auch im Keim erstickt wurde.

Die ersten weiteren Versuche in der Schreibtherapie wurden abseits des in Europa wütenden Krieges von der deutsch-amerikanischen Psychoanalytikerin Karen Horney 1942 unternommen und in einer systematischen Theorie der Selbsanalyse vorgelegt. Aber erst in den 60iger Jahren wurde die Poetry Therapy in Amerika sowohl in stationärer als auch ambulanter Psychotherapie genutzt und unterJack J. Leedy, Arthur Lerner und Molly Harrower weiter entwickelt und gefördert.  .                                                                     Auch sie stellten fest, dass unter Anwendung des Schreibens mehrere Aspekte wirksam werden. Als Folge der Konzentration können unbewusste Assoziationen leichter aufsteigen und helfen so die innere Bildsprache zu entwickeln und diese zu reflektieren. Durch den Blick aus einer symbolisch,bildhaften Ebene, können neue Sichtweisen integriert und neue Lösungen erprobt werden. Und nicht zuletzt kommt es dadurch auch zu einer Stärkung der Autonomie.

“ Wer verrückt genug war, zur Welt zu kommen, sollte irgendwann begreifen, dass er/sie reif ist für die Entbindung durch Poesie.“ (Peter Sloterdijk)

Oft sind die Grenzen zwischen dem kreativen und heilenden Schreiben nicht ganz klar zu erkennen. Was ihnen allerdings in ihren Grundprinzipien zugrunde liegt, ist ein Prozess, der sich in mehrere Phasen unterteilen läßt. Der Schreibprozess, der auch von Silke Heimes in ihrem Buch beschrieben wird, beginnt mit der Inspirationsphase und mit dem Sammeln von Informationen. Im nächsten Schritt, der Inkubationsphase, wird mit dem gewonnenen Material schriftlich gespielt und experimentiert. In der Erweiterung und Verdichtung gibt es einen Freiraum und eine Unvoreingenommenheit, die sich in der wertfreien Zone befinden. Dieses Rohmaterial führt im nächsten Schritt, der Illuminationsphase, zu neuen Erkenntnissen und teils zu Lösungen. Im letzten Schreibvorgang, der Verifikationsphase, setzt der Sekundärprozess ein, und das Gesamte wird überprüft und ausgearbeitet. Zusammengefasst lässt sich dieser Prozess auch in der Form des „Erinnerns-Wiederholens-Durcharbeitens und der Integration“ beschreiben. Erwähnenswert dazu finde ich persönlich die Parallelen zu den Wirkungsfaktoren in der Kunsttherapie, die sich auch in vier Phasen unterteilen lässt. Ingrid Riedel zBsp. beschreibt in ihrem Buch ausführlich den Gestaltungsvorgang– den Imaginations-und Symbolisierungsvorgang– den Besprechungs-und Interpretationsvorgang und den Begegnungs-und Beziehungsvorgang. Auch hier gibt es den therapeutisch wirksamen Prozess in mehreren Schritten.

“ Ich brauche nichts als ein Stück Papier und ein Schreibwerkzeug, und ich werde die Welt aus den Angeln heben.“ ( Friedrich Nietzsche)

In dieser wunderbaren Tatsache, dass ich prinzipiell in einer sehr einfachen Art und Weise, Zugang zu meinen Ressourcen erlangen und daraus schöpfen kann, liegt auch ein sehr praktischer Anreiz. Prinzipiell kann ich jederzeit und überall schreiben. Das Besondere in der therapeutischen Form des Schreibens liegt allerdings in der Möglichkeit des Austauschs und der Anwendung unterschiedlicher Schreibmethoden. Sei es durch die Variation des assoziativen Schreibens (gelenkt oder frei), des Freewritings, des seriellen Schreibens oder des Clusterings, um nur Einige hier anzuführen.  Eine, meiner Meinung nach, wunderbare Verschränkung gibt es auch in der Anwendung von Kunst-und Poesietherapie. Eine Kombination beider Therapieformen kann gerade dann hilfreich sein, wenn es darum geht, erschlossene Bereiche zu visualisieren und dem Ganzen noch Ausdruck zu verleihen. Durch die Gestaltung kommt noch eine weitere Dimension ins Spiel, die sich in der Illuminationsphase als sehr unterstützend erweisen kann.

Soviel zum Thema: Poesietherapie und die Kraft des Schreibens.                                HEIMES S.(2008): Kreatives und therapeutisches Schreiben, LUTZ W.von (2011): Die heilende Kraft des Schreibens, RIEDEL I. (2004). Maltherapie

 

 

Kreativität und Neurobiologie

Ein interessantes Buch, dass mir vor Kurzem in die Hände gefallen ist, veranlasste mich, wieder einmal ein paar Fragen nachzugehen.

Gerald Hüther, Neurobiologe, Professor an der Psychiatrischen Klinik in Göttingen, und Autor zahlreicher populärwissenschaftlicher Beiträge, hat sich in seinem Buch mit der Thematik: Leistungsdruck und Stress versus Kreativität und Begeisterung, auseinandergesetzt. Die steigende Zahl an Erkrankungen wie Burnout, Depession und Demenz, scheint in einem direkten Zusammenhang mit den zum Teil, einseitigen und  begeisterungslosen Anforderungen unserer Zeit an uns Menschen, zu stehen. Wie kommt es dazu, dass es möglich ist, „auszubrennen“? Wie kommt es zu einer derartigen Erschöpfung?

Wahrscheinlich ist es nicht einfach, das zu beantworten, jedoch fand ich einige Aspekte aus der Hirnforschung, die für mich eine logische und schlüssige Konsequenz darstellen, und für mich als Befürworterin der Kreativität, einen wissenschaftlich untermauerten Zugang geschaffen haben.

Geprägt von einem Ich-Bewusstsein und einem Wir-Gefühl, werden in uns verschiedene Muster angelegt, die erfahrungsgemäß in einem neuronalen Netzwerk ausgebildet werden. In der Weise entstehen Erregungsmuster, die, je häufiger sie bedient werden, ein umso stabilerers und komplexeres Gebilde errichten. Diese „inneren Bilder“ werden abgelegt und sorgen immer dafür, dass, sobald ich mit anderen Menschen in Beziehung trete, ein spontaner Abruf an mein inneres Handlungskonzept in Gang gesetzt wird. Wir lernen anfänglich großteils  durch Imitation und in Beziehungen.

Wenn ich für einen kurzen Moment das Gedankenexperiment durchführe, in einem völlig anderen Teil der Welt geboren worden zu sein, zBsp. in Grönland oder Zentralafrika, so würde mein Leben durch meine Erfahrungen zur Gänze anders aussehen. Aber, dass sich das menschliche Gehirn innerhalb gewisser Erfahrungsmuster entwickelt, bedeutet auch, dass zum Großteil, die soziokulturelle Umwelt mitverantwortlich ist für die neuronal verschaltete Architektur des Gehirns. In dieser ständigen Orientierung an der „Umwelt“, mit dem daraus resultierenden Anpassungsprozess, stellt sich auch eine schleichende Unterdrückung eigener Bedürfnisse ein. Der Preis des „Dazugehörenwollens“ ist ein sehr hoher, und kann schließlich dazu führen, dass wir in konservativ, angepasster Weise ( ohne das werten zu wollen) eng verbunden bleiben. Oftmals ergibt sich im Zusammenleben eine fast unüberwindliche Widersprüchlichkeit, die wahrscheinlich auf der Tatsache unterschiedlichster Vorstellungen und Prägungen beruht.

Vorstellungen und Ideen können wie selbstgeschmiedete Ketten ins unserem Gehirn verankert sein. Verschaltungsmuster, die wie innere Überzeugungen unser Denken leiten. Eine allzu einseitige Erfahrungswelt verschaltet die Nervenwege allmählich zu immer breiteren Bahnen, und wenn man nicht aufpasst, zu betonierten Autobahnen, die nur mehr gerade aus führen.

Oft ist es dann sehr schwer, diese neuronalen Highways zu verlassen. Das Abbiegen auf andere Wege bedeutet meistens eine Destabilisierung der vorhandenen Reaktionsmuster. Also, wie kann ich einen niederen Gang einlegen und einen anderen Weg einschlagen? Einmal vorausgesetzt, ich möchte die Autobahn verlassen, brauche ich zumindest die Vorstellung dessen, wohin ein anderer Weg führen kann.

In unserer technokratischen Welt ersetzen Geräte unsere Handlungen in effizienter Weise. Niemand wird einer Waschmaschine die Sinnhaftigkeit und Ersparnis an Arbeit absprechen wollen. Es verlangt manchmal nur nach der Frage, ob wir nicht oft genug mit Maschinen verglichen werden, die eine rationale Produktion verlangen, aber keineswegs vergütet!  Gesteigerte Produktivität verlangt nur eins:– Leistungsdruck- der durch Wettbewerb geschürt, nur dazu führen kann, dass ein immer mehr an “ Etwas“, ein immer weniger an “ für Uns“ bedeutet.

Wenn wir in einem neuen Gedankenexperiment die Schnelligkeit unserer Autobahn verlassen, um uns auf einen neuen Pfad begeben. Was passiert? Möglicherweise wird die Angst, nicht mehr mithalten zu können, vordergründig sein, sich nicht mehr mit denen messen zu können, die in hoher Fahrt unterwegs sind, lässt uns wie Verlierer da stehen. Aber was habe ich von einem Leben in Konkurrenz und Nachahmung? Wo bleibt meine Wahrnehmung im Leben, die ich von Anfang an mitgebracht habe? Wo bleibt meine Begeisterung für das Leben?

Begeisterung ist Dünger fürs Hirn“. Dieser Satz hat mich am Nachhaltigsten  aus dem Buch von Gerald Hüther geprägt. Vielleicht kann  dieses Begeistern für Etwas im Hier und Jetzt, die Würze für unser Leben selbst geben. Im subjektiven Empfinden und Erfahren liegt ein wesentlicher Aspekt unseres Tuns. Die Begeisterung im und am Leben ist  Nährstoff, die uns zu einer Gestaltungsfreude führt, die in uns einen neuen Weg ebnet, der alte Bahnen verlässt. In dem Maße, wie wir unsere innere Struktur unterdrücken oder zulassen, wird sich auch unsere Begeisterung entfalten können.

Kreativität ist ein Teil des Schöpfens in uns, die Neues entdeckt und Neues gebiehrt. Wenn wir nicht länger dem „ERschöpfenden“ Teil in uns, den Platz einräumen, den wir für ihn geschaffen haben, dann können wir endlich das wahrnehmen, dass in uns als die Kraft verankert ist, wonach wir alle leben und leben können:

“ SCHÖPFERISCH, KREATIV und BEGEISTERT“

HÜTHER, Gerald (2011)

„Die Wirkung der Farben“

Bei einer groß angelegten anonymen Befragung von fast 2000 Menschen im Alter von 14-83 Jahren, versuchte Eva Heller heraus zu finden, wie Farben auf uns wirken. Was lösen sie aus? Gibt es zu jeder Farbe eine Empfindung? Wie sind die symbolisch und kulturellen Wikungen? Wie verhält es sich zu Politik und Tradition? Haben alle Farben kreativen Charakter? Fragen die sich immer nur in einem bestimmten Kontext ableiten und zuordnen lassen. Im Ranking um die beliebtesten Farben, geht „Blau“ mit 38% als klarer Sieger hervor, gefolgt von „Rot“ mit 20%, „Grün“ mit 12% und nicht weit entfernt „Schwarz“ mit 8%. Alle anderen Farben liegen im 1-5% Bereich, wobei erstaunt, dass „Gelb“ und „Rosa“ die gleiche Beliebtheit bei 5% haben. Silber und Orange fallen aus der Bewertung raus. Dennoch gibt es auch hier Ergebnisse in deren  Wirkung und Eigenschaften.

Ich möchte meine nächsten Themen ganz den Farben widmen und obwohl das Goldgelb und Rot der herbstlichen Blätter dazu verleiten sich damit auseinander zu setzen, werde ich mit Blau in der Farbreihe beginnen. Ich möchte dazu einige interessante historische Hintergründe aus der Studie mit euch teilen.

Blau tritt in fast allen Bereichen des Lebens in Erscheinung. In der Befragung stellt sich Blau als die Farbe mit der größten  Sympathie, Harmonie, Freundlichkeit  und Freundschaft heraus . In der perspektivischen Darstellung wird Blau für Weite und Unendlichkeit eingesetzt. Die Elemente Wasser und Luft werden mit Blau assoziiert. In der  symbolischen Wirkung beschreibt es das Ungewisse, Unbestimmte ( eine Fahrt ins Blaue, blauäugig sein, ins Blaue reden) Hingegen steht Blau auch für Beständigkeit und Treue. Der englische Hochzeitsbrauch fordert: „something old, something new, something borrowed, something blue.“ hier für Treue stehend. Blau gilt als die Farbe der Romantik. Die blaue Blume der Sehnsucht in der Dichtung, unerreicht und fern. Wobei das Blau im symbolisch übertragenen Sinn auch für Kühle, Leistung, Konzentration und das Männliche steht. Blau zählt  zu den geistigen Tugenden. Die Entspannung zur „blue hour“ ist in England und Amerika beliebt, und leitet eine Erholung nach getaner Arbeit ein. Wenn sich die Farbe auf den Menschen bezieht, dann ist es sehr stark kulturabhängig. Wenn jemand den „blues“ hat, dann ist er trübsinnig. In Russland werden Personen mit blauem Charakter als sehr sanftmütig angesehen.. In Frankreich bedeutet „Parbleu“ (zum Blauen) einen Ausdruck des Erstaunens. In Holland spricht man von „Dat zijn maar blauwe bloempjes“( das sind nur blaue Blümchen) und meint ja nichts als Lügen.

In traditioneller HInsicht hatte die Farbe viel mit der Art ihrer Herstellung zu tun. Blaue Kleidung war einfacher im Färbeverfahren als etwa Rot oder Purpur. Übrigens rührt der Begriff des „Blau machens „ daher, weil die Färber, die das Blau aus den Waidpflanzen gewannen,  den Gärvorgang abwarten mussten und sich gerne mal in die Sonne legten. ( Und hier war bestimmt auch der eine oder andere Schnaps beteiligt). Mit der Erschließung neuer Handelswege wurde die Farbe jedoch bald durch das Indigo abgelöst, welche der deutsche Kaiser als die „Teufelsfarbe “ bezeichnete. Das preußische Heer war auf der Seite der Waidbauern, und „kämpfte“ um deren Fortbestand, indem sie die Soldaten mit blauen Uniformen einkleideten. Mit Ludwig dem XIV. wurde der Handel frei und das Blau bekam einen Klassenkampf dazu. Das Königsblau am Hof stand dem einfachen blauen Zwirn der Arbeitskleidung gegenüber.

Symbolische Wirkung bekommt das Blau auch im Zusammenhang mit dem Göttlichen. Es verkörpert in der Mariendarstellung das Ideal der hohen Werte. Früher war das Blau den Frauen und dem Weiblichen zugeordnet, so auch im blauen Schutzmantel der Madonna. Politisch bekam die Farbe in den sozialistischen Ländern besondere Bedeutung durch die gehießte Friedensfahne.  Machten die spanischen und irischen Faschisten durch ihre Blauhemden uniformierten Eindruck, galt  im Salon der Lady Montague der wollene blaue Strumpf ( anstatt dés üblich schwarzen, seidenen) eines befreundeten Botanikers als besonderes Zeichen, dass es hier nicht um Reichtum geht, sondern um Bildung. So wurden jene Frauen als Blaustrümpfe bezeichnet, denen der klassische Lebenszweck: Kinder, Küche, Kirche, nicht zum Leben gereichte. „Blue stocking clubs“ wurden großteils von Frauen besucht, die keinen Zugang zur Bildung hatten.

Das Blau in der gebrauchsmäßigen Farbgestaltung  ist eng verbunden mit Verständnis und Material. Es gibt viele Beispiele konventioneller Hinsicht. Das blaue Symbol für Kaltwasser durch eine andere Farbe zu ersetzen wäre schlichtweg unproduktiv. Auch bei Geräten würde das Blau nicht mit Betriebsbereit oder Stoppfunktion in Verbindung gebracht. Bei Nahrungsmitteln zählt Blau zu den Farben, die die größte Ablehnung hervorruft. So manch blau eingefärbter Geburtstagskuchen, blieb als Dekoration am Tisch stehen.

In der Kreativität sind den Farben kaum Grenzen gesetzt. Es gilt jedoch auch hier die allgemeine Auffassung, je größer die Freiheit in der Farbgestaltung ist, desto enger sind die Grenzen der Formgestaltung. In Chagalls und Van Goghs Bildern  dominiert das Blau sehr oft, allerdings immer in sehr naturalistischer Formensprache.

Dieser kurz gefasste Auszug einer lang tradierten Geschichte zu einer Farbe, nämlich, Blau, soll oder kann nichts weiter bewirken, als dass es zu jeder Farbe einen Bedeutungsinhalt gibt. Auch heute lösen Farben immer etwas Bestimmtes aus. Dieser große Erfahrungsschatz kann auch in der  kunsttherapeutischen Praxis dazu dienen, an die Anteile heranzukommen, die entweder hemmend oder fördernd sind. Damit zu arbeiten, ist ein unwahrscheinlich großer Reichtum. Das kollektive Unbewusste fördert all das zu Tage, das in uns gespeichert ist. Hier beginnen die Farben in ihrem ganz eigenen Spektrum zu wirken und ermöglichen so, dass wir uns in der Vielfalt ihrer Eigenschaften wiederfinden.

Soviel zum Thema: „Die Wirkung der Farben“ beginnend mit „Blau“

(vgl.HELLER 1999)