Jahrhundertfrauen

Dieser Titel stammt nicht von mir. Es ist ein Film, der gerade im Kino läuft. Der Titel alleine hat mein Interesse nicht geweckt. Auch nicht die Besetzung. Es ist ein Film über das Erwachsenwerden, der beiläufig eine ganze Epoche portraitiert. Wie viele Auseinandersetzungen dazu gibt es dazu bereits ? Ist auch egal.

Ich habe ihn mir angeschaut. Ich wollte einfach wissen, was dahinter steckt. Und ich muss zugeben, ich war überrascht. Erlebniswelten unterschiedlichster persönlicher,  historischer und kultureller Entwicklungen lassen sich unschwer auf einen Nenner bringen. Und dennoch, es gelingt in diesem Film einen Spannungsbogen her zu stellen, der Frauen so beleuchtet, dass sie in der ihrer innewohnenden Kraft und gleichzeitig existierenden Verletzlichkeit, niemals als Verlierer oder Gewinner da stehen. Vielmehr zeichnet der Film den Umriss des Lebens in so wunderbaren Weise nach, dass es Situationen im Leben gibt, deren Konsequenz man sich manchmal nicht im Geringsten  bewusst ist, aber, durch das Vertrauen in die eigene Kraft, und die der Beziehung zu den anderen, der Entwicklung stand hält.  Inhalte generieren sich immer wieder von Neuem. Es ist, glaube ich, keine Frage der Zeit, es ist vielmehr eine Frage der Haltung und der Aufgeschlossenheit gegenüber den Zeichen der Zeit. Und, wie wunderbar, 1979,  es wird hemmungslos geraucht.

„Prädikat“ sehenswert. Ein Prädikat wird meist durch ein Verb gebildet. Hier vielleicht zwei: sehen und hören!

Jeder Tag…

Jeder Tag, ein Abschied, oder die wiedergewonnene Erkenntnis  bedingungsloser Liebe!

Das klingt gerade so, als würde ich etwas erfahren haben, das es so nicht gibt, oder gerade eben, es genau deswegen gibt, weil Beides sich nicht ausschließt. Einatmen, Ausatmen. Dann möchte ich einmal einen Blick darauf werfen.

Ich habe meine Mutter eine Woche vor ihrem Tod gesehen, und mit ihr einige Stunden verbracht, nicht wissend, dass es das letzte Mal war. Aber rückwirkend betrachtet, war es eine sehr bewusst gelebte, intensive Zeit, die das beinhaltet hatte, worin auch für mich diese Begegnung in der Weise stattgefunden hat,  wie sie beinahe immer war. Nämlich, dass wir uns annehmen konnten, wie wir sind. In all unserer Unvollkommenheit, in all unseren Stärken und Schwächen. Es beruhte auf Gegenseitigkeit. Wir wussten voneinander. Und übten uns darin, auch zu akzeptieren. Unsere Gespräche hatten nicht mehr die gleiche Intensität wie früher, aber sie waren ehrlich, und so gemeint, wie sie waren. Wir hatten Blickkontakt und Berührung. Wir waren uns nahe.  Nach so vielen Jahren, und nach so vielen Ungereimtheiten, die es auch immer wieder gab.

An Dich, liebe Mama!

Wie sehr bewundere ich immer noch deine Bereitschaft, etwas an zu nehmen, wo ich wusste, dass du dir das so anders gewünscht hättest. Aber du hast immer das Wollen und Streben deiner Kinder und deiner Mitmenschen rund um dich akzeptiert. Weil du immer der Mensch warst, mit der Überzeugung, dass Menschen aus ihrer Liebe, Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit und Überzeugung heraus handeln, und für sich selbst am besten wissen, und dass am besten können, was sie können, warst du immer im Einklng mit dir und der Natur.  Selbst zu sein, das war immer dein Credo. Und nicht aus lauter Selbstsucht, dem zu verfallen, dass es den Beifall auch von außen braucht.  Das war dir zuwider, und du hattest es auch nicht nötig. Du hattest wenig . Wenig Mitteln, um ein Leben sorglos zu führen. Aber du hattest immer die Mitteln, um weiter zu gehen, um Sorgen los zu werden, und darin zu wachsen. Damit konntest du nach vorne blicken, und weiter gehen.  Und das wolltest du immer.

Du bist jene Frau, von der ich lernen konnte, dass nicht Herkunft zählt, um etwas zu erreichen, sondern , ein Wille, der gestärkt ist von dem Glauben, dass, wenn man das erreichen will, wofür man die Kraft hat, dann kann man über alle Grenzen hinweg das schaffen, wofür es gilt zu leben.  Das hast du mit deinem Leben bewiesen. Deine unabänderliche Kraft, dein Humor und dein Lebenswille. So erlebt mit dir. Danke! Wunderbare Frau und Mutter!

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soviel zu: Jeder Tag, ein Abschied, oder die wiedergewonnene Erkenntnis bedingungsloser Liebe!

 

Handwerk

Die heilsame Kraft der Maschen

Was unsere Großmütter noch nicht wussten, ist heute wissenschaftlich erwiesen: Stricken ist gesund für Körper und Geist. Die lange Zeit als altbacken abgestempelte Handarbeit hat eine Reihe positiver Effekte: Stricken senkt den Blutdruck, baut Stress ab, stärkt Selbstvertrauen, Kreativität und logisches Denken…..(MDR Wissensmagazin, 15.10.14)

Unsere Großmütter haben dieses Wissen intuitiv angewendet, weil sie darüber nicht nachzudenken brauchten und wissenschaftlich erwiesene Studien nichts dabei verändern hätten können . Das Ergebnis sprach für sich, und es war gut so. Und das war Wissen genug. Vielleicht ist es auch heute Wissen genug?

Stricken ist nicht nur Balsam für die Seele: Es ist auch Training fürs Gehirn, da beide Hirnhälften beansprucht werden. Neben manueller Koordinationsfähigkeit sind die Talente eines Managers gefordert: gestalterische Ideen und schnelle Problemlösungen.

Schon beim Befolgen von unter Laien und Anfängern als unlesbar geltenden Strickanleitungen kommt es auf Vorstellungskraft und Logik an: „1 Randm., 3 M. re., * 3 M. auf einer Hilfsnadel vor die Arbeit legen, 3 M. re., die M. der Hilfsnadel re., ab * fortlf. wiederholen. Die Reihe endet mit 3 M. re., 1 Randm.“ Wem geht da sofort ein Licht auf? Ein kleiner Tipp: M steht für „Masche“. (MDR Wissensmagazin, 15.10.14)

Abschalten, und dennoch Gehirnaktivität leisten? Auch hier gibt es gravierende Unterschiede. Wiederhole ich eine Technik und folge dem Rhythmus bis ans Ende des Werks, dann kann es beruhigend wirken. Folge ich einer Strickanleitung, dann bin ich meinem logischen Denken gefordert. Oder Beides?

Stricken auf Rezept

In den USA empfehlen Ärzte inzwischen schwerkranken Patienten die Arbeit mit der Nadel, bevor sie Antidepressiva verordnen. Das New Yorker Cabrini Medical Center rät Patienten, die beschwerliche Behandlungen durchstehen müssen, zur Handarbeit.
Stricken gehöre neben Nähen und Malen zu den Tätigkeiten, bei denen sich Patienten trotz ihrer Schmerzen „wieder als Menschen fühlen“ könnten, glaubt die Krankenschwester Helen Carrier. Wer das erste selbst gefertigte Stück in den Händen hält, wird vom Belohnungszentrum im Gehirn mit Glückshormonen überschwemmt. (MDR Wissensmagazin, 15.10.14)

Dass Maschen jedenfalls mehr können als ihrem Ruf vorausgeht, das ist wissenschaftlich erwiesen…..

Nur eine „coole“ Masche?

Strick-Fans sehen sich dennoch mit Spott konfrontiert: Nur eine Modeerscheinung sei es, die es gelangweilten Großstädtern erlaube, sich abzuheben, „cool“ zu sein. Vielleicht spielt Eitelkeit tatsächlich eine Rolle. Doch zumindest einmal sollten Zweifler eine selber gestrickte Mütze in den Händen halten, um wirklich mitreden zu können.

Dass Stricken nicht nur heilende Wirkung hat, dafür scheint ein anhaltender Boom zu sprechen, aber viel wichtiger erscheint mir, an die wirklichen intuitiv, und wissenschaftlich belegte Kraft der heilsamen Maschen zu erinnern.

Im Übrigen: bin ich für ein mehr an Maschen, heterogen!
nach zu lesen unter:

Mal so sein…

Kurzmitteilung

Kreativität gibt Raum-Raum erzeugt Kreativität

 FRÜHLINGSWORKSHOP!                                                                                                  Wann hast du dir eigentlich das letzte MAL  Zeit und Raum gegeben für deine Kreativität?   Warum nicht dem Frühling gleich machen, unsere Sinne aktivieren und aus unseren Farben schöpfen? Lassen wir unsere inneren Bilder sprechen und mit der Kraft des zarten Sprießens, Neues entstehen.                                                                                „Es gibt eine Vitalität, eine Lebenskraft, eine Energie, die nur durch unser Handeln umgesetzt werden kann. Und weil es dich in der Gegenwart nur einmal gibt, ist auch dein Tun einmalig……..“(M.Graham)

Ich lade dich ein zu einem Farbenreigen! Ein Raum für kreative Gedanken, und wilde Gefühle…..umgesetzt mit Materialien, die dir passen. Lass den Frühling raus!                   Voraussetzungen: keine Malerischen nötig.  Mitzubringen: Schürze oder T-shirt.

Wann:  25.04./ 09.05./ 23.05.2014                                                                                      Zeit:     18.00h-20.30h, je Abend: € 28,- inkl. Material; (3er Block: € 75,-)                                Wo:     „Schreibmalstatt“,  Lerchenfelderstr. 65/16, 1070 Wien                                    email:  barbarasteiner@schreibmalstatt.at                                                                         Tel.:     0650/3051092……….Anmeldung: Bitte bis 2 Tage vorher!

Na also!

Na also!

Ich freue mich auf Dich!

Barbara

 

Morgenseiten

oder wie kann ich meinen Gedankenstaubsauger aktivieren?

*Gleich nach dem Aufstehen und dem Morgenrot,                                                                   noch vor dem Frühstück und geschmiertem Pausenbrot-                                                       schlag ich mein Heft auf, und stelle mich den Seiten,                                                             die gedankensaugend, mir den Weg bereiten.                                                                        Ist’s geschrieben, kann ich sogleich den Tag be-streiten.                                                 aber warum streiten? wer will den Streit, ja sogar Zwist?                                                       wo doch, ein jeder Tag Erlebnis ist?                                                                                       „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“,                                                                                   so sagt man, aber wenn ich mich so recht besinne,                                                                im morgendlich Geschriebenen , im frühen Worterguss,                                                        schwappt Manches über, gar Verdruss.                                                                                   Wo bleibt der Zauber, ja der Anfang?                                                                                        wenn im Prolog schon so viel Anhang?                                                                                   Im Bilden mancher Wortgebilde                                                                                                führt das Unbewusste was im Schilde.                                                                                    Es will stets alles an die Oberfläche,                                                                                        sei’s  Unmut, Zorn, ja, sogar Schwäche.                                                                               Jedoch, die Lust am Schreiben-                                                                                               die Wonne, etwas voran zu treiben,                                                                                        ein Gedanke, der ganz ungeboren,                                                                                      wächst, gedeiht, ist noch gänzlich ungeschoren,                                                                     eingebettet, ganz umhüllt,                                                                                                         die eigene Kraft, die Mitte fühlt.                                                                                                 Dann, erst dann beginnt, sich das Blatt zu wenden,                                                               um, den Gedankenmüll gleich zu beenden,                                                                              und so entleert, beginnt die Achtung,                                                                                     ein neuer Tag, verlangt stets nach neuer Betrachtung!

(* die Reimform ist meine Leidenschaft,und steht nicht allgemein für Morgenseiten, soll, bestenfalls, anregen und aktivieren, .zum Schreiben verleiten;)

Wie kam ich zu den Morgenseiten? Julia Cameron ist Künstlerin, Autorin und Seminarleiterin. In ihrem Buch beschreibt sie das Schreiben der Morgenseiten, als die Technik, die das Absaugen der Geistesoberfläche ermöglicht, um unseren permanenten Nebengeräuschen einen Platz anzubieten. „(Ich habe wieder einmal vergessen Taschentücher zu kaufen. Ich habe die Hausverwaltung noch nicht angerufen. Warum muss ich immer sonnatgs am Fussballplatz meine Vormittage verbringen? Das Fahrrad  ist immer noch nicht geservicet!)“                                                                                         So, und ähnlich, lauten unseren inneren Monologe. Die Möglichkeit, gleich einmal alles in Schrift zu verpacken, und den Ärger, Vorwurf oder Wunsch gleich mit rein zu nehmen,einen Bewusstseinsstrom zu öffnen, um weiters an die Gedanken und Impulse zu gelangen, die weit tiefer liegen, das ist das Ziel der Morgenseiten. Mit einem frischen  Blick den Tag zu beginnen. Und das schöne daran: es ist absichtslos, absolut wertfrei, keine hohe Kunst des Schreibens,  und ich brauch nichts weiter als einen Stift und Papier. Und etwas an Zeit, aber es ist eine Zeit, die sehr wertvoll den Tag eröffnet.

Warum bin ich so überzeugt von den Morgenseiten? Meine Mutter ist fast 83 Jahre alt und erfreut sich, glücklicherweise, bester Gesundheit. ( Abgesehen von den Abnützungen der Gelenke). Aber was ganz wesentlich für mich ist, dass sie, ungeachtet dessen, was andere dazu meinen, diese Art des Schreibens schon seit Jahren praktiziert. Sie ist mittlerweile eine wahre Künstlerin im Schreiben. Sie lebt alleine, muss ein Haus und einen Garten alleine verwalten, und verfolgt stets ihre Ziele dadurch, dass sie ihren Impulsen folgend, frei nach ihren Gedanken handelt. Ihr Schreiben, verschafft ihr Klarheit. Einen Dialog, der nicht länger nur Monolog bleibt. Eine Auseinandersetzung. Ein Handeln.

Schreiben ist ein Werkzeug. Jeder kann sich bedienen. Wenn ich das bediene, und meinem Wunsch folgend, aus meinen eigenen Impulsen und Gedanken handle, dann bin ich dort, wo der Tag von Neuem beginnt.

Morgenseiten.

Frühling lässt sein blaues Band……….

……….flattern durch die Lüfte,                                                                                            süße wohlbekannte Düfte,                                                                                                     streifen ahnungsvoll das Land.                                                                                               Veilchen träumen schon,                                                                                                        wollen balde kommen!                                                                                                           Horch, ein leiser Harfenton!                                                                                                Frühling, ja du bist’s!                                                                                                                Dich, hab ich vernommen! ( Eduard Mörike)

Der März. Ein Monat, der ganz im Zeichen des Schreibens und Dichtens steht.  Gerade das Frühjahr, im Erwachen der Natur, steht auch für das Erwachen aller Sinne, und war immer schon eine Zeit neuer Inspiration. Das Immerwährende Kommen und Gehen, das sich im Frühling augenscheinlich neu formuliert, erinnert uns an eine besondere Kraft des Daseins. Der Schönheit, des sich immer wieder neu Gestaltens.

Diese wundervolle Darbietung der Natur vollzieht sich ohne unser Zutun. Es geschieht. Und wir sind mittendrin. Bloß bietet unsere Zeit manchmal nicht einmal den Blick auf  Wesentliches. Im Wandel, und der Anforderung der Zeit, wo wir uns tagein-tagaus befinden, können wir oftmals diese wunderbare Kraft der Erneuerung nicht mehr wirklich erfassen. Einen Weg, den wir hier gehen können, ist der, der unsere Wahrnehmung wieder darauf lenkt.

Ich nenne es, den Weg des WWW.                                                                         WERDEN-WACHSEN-WEICHEN. Um bei der Natur zu bleiben; Jedes Blatt, das im Herbst den Boden berührt hat, wird im Frühjahr wieder zu neuem Leben erweckt. Der ewige Kreislauf. Ein Blatt, das kann auch Papier sein. Gewonnen aus Pflanzen. Papier, als Träger einer sich immer wieder erneuernden Kraft, ein Ort des „Werdens“. Worte, die aus sich heraus „wachsen“, um zu erneuern, zu werden, oder aber auch den Raum bieten, um etwas „weichen“ zu lassen.

Ein Blatt, ein Papier.                                                                                              Wiederverwertbar, in jeder Hinsicht.                                                                                    Als Speicher. Als Kraftort. Als Ideenpool. Als Ladezone. Als Gedankenträger. Als Wärmeträger. Als Kapital. Schreiben, als Erneuerung.

WERDEN, WACHSEN und WEICHEN: WWW.

und im Übrigen: bin  ich für mehr Alltagspoesie.

Poesietherapie…….

……und die Kraft des Schreibens!

Wie bei allen kreativen und expressiven Therapien werden auch in der Poesietherapie durch die Förderung der schöpferischen Potentiale, der Wahrnehmungsschulung und der erweiterten Erlebnisfähigkeit, Ressourcen aktiviert, die einer Entwicklung und Heilung dienen können.  Die Erfahrung dieser stärkenden  Wirkung des Schreibens geht wahrscheinlich schon bis ins alte Ägypten und in späterer Folge auf die altgriechischen Philosophen der Antike zurück. Über Jahrhunderte hinweg bedienten sich Schriftsteller und Dichter der Kraft des Schreibens, sowohl in autobiographischer als auch literarischer und aufklärerischer Form. Das 19.und 20.Jhdt. war geprägt von umwälzenden Ereignissen in der Weltgeschichte und damit einher ging auch eine neue Entwicklung in der Tiefenpsychologie. Sowohl Sigmund Freud als auch C.G.Jung führten Selbstanalyse durch ihre Traumtagebücher durch. Die daraus gewonnene Bedeutung des Schreibens zur Selbsterkundung und Selbstanalyse führte schließlich auch zu einer abgeleiteten Form der therapeutischen Begleitung durch das Schreiben. Die Freude über diese neuen Erkenntnisse sollte jedoch nicht lange währen, da durch den aufkeimenden Nationalsozialismus eine Auseinandersetzung hinsichtlich eigener Biographie und persönlicher Bedürfnisse nicht erwünscht war und somit auch im Keim erstickt wurde.

Die ersten weiteren Versuche in der Schreibtherapie wurden abseits des in Europa wütenden Krieges von der deutsch-amerikanischen Psychoanalytikerin Karen Horney 1942 unternommen und in einer systematischen Theorie der Selbsanalyse vorgelegt. Aber erst in den 60iger Jahren wurde die Poetry Therapy in Amerika sowohl in stationärer als auch ambulanter Psychotherapie genutzt und unterJack J. Leedy, Arthur Lerner und Molly Harrower weiter entwickelt und gefördert.  .                                                                     Auch sie stellten fest, dass unter Anwendung des Schreibens mehrere Aspekte wirksam werden. Als Folge der Konzentration können unbewusste Assoziationen leichter aufsteigen und helfen so die innere Bildsprache zu entwickeln und diese zu reflektieren. Durch den Blick aus einer symbolisch,bildhaften Ebene, können neue Sichtweisen integriert und neue Lösungen erprobt werden. Und nicht zuletzt kommt es dadurch auch zu einer Stärkung der Autonomie.

“ Wer verrückt genug war, zur Welt zu kommen, sollte irgendwann begreifen, dass er/sie reif ist für die Entbindung durch Poesie.“ (Peter Sloterdijk)

Oft sind die Grenzen zwischen dem kreativen und heilenden Schreiben nicht ganz klar zu erkennen. Was ihnen allerdings in ihren Grundprinzipien zugrunde liegt, ist ein Prozess, der sich in mehrere Phasen unterteilen läßt. Der Schreibprozess, der auch von Silke Heimes in ihrem Buch beschrieben wird, beginnt mit der Inspirationsphase und mit dem Sammeln von Informationen. Im nächsten Schritt, der Inkubationsphase, wird mit dem gewonnenen Material schriftlich gespielt und experimentiert. In der Erweiterung und Verdichtung gibt es einen Freiraum und eine Unvoreingenommenheit, die sich in der wertfreien Zone befinden. Dieses Rohmaterial führt im nächsten Schritt, der Illuminationsphase, zu neuen Erkenntnissen und teils zu Lösungen. Im letzten Schreibvorgang, der Verifikationsphase, setzt der Sekundärprozess ein, und das Gesamte wird überprüft und ausgearbeitet. Zusammengefasst lässt sich dieser Prozess auch in der Form des „Erinnerns-Wiederholens-Durcharbeitens und der Integration“ beschreiben. Erwähnenswert dazu finde ich persönlich die Parallelen zu den Wirkungsfaktoren in der Kunsttherapie, die sich auch in vier Phasen unterteilen lässt. Ingrid Riedel zBsp. beschreibt in ihrem Buch ausführlich den Gestaltungsvorgang– den Imaginations-und Symbolisierungsvorgang– den Besprechungs-und Interpretationsvorgang und den Begegnungs-und Beziehungsvorgang. Auch hier gibt es den therapeutisch wirksamen Prozess in mehreren Schritten.

“ Ich brauche nichts als ein Stück Papier und ein Schreibwerkzeug, und ich werde die Welt aus den Angeln heben.“ ( Friedrich Nietzsche)

In dieser wunderbaren Tatsache, dass ich prinzipiell in einer sehr einfachen Art und Weise, Zugang zu meinen Ressourcen erlangen und daraus schöpfen kann, liegt auch ein sehr praktischer Anreiz. Prinzipiell kann ich jederzeit und überall schreiben. Das Besondere in der therapeutischen Form des Schreibens liegt allerdings in der Möglichkeit des Austauschs und der Anwendung unterschiedlicher Schreibmethoden. Sei es durch die Variation des assoziativen Schreibens (gelenkt oder frei), des Freewritings, des seriellen Schreibens oder des Clusterings, um nur Einige hier anzuführen.  Eine, meiner Meinung nach, wunderbare Verschränkung gibt es auch in der Anwendung von Kunst-und Poesietherapie. Eine Kombination beider Therapieformen kann gerade dann hilfreich sein, wenn es darum geht, erschlossene Bereiche zu visualisieren und dem Ganzen noch Ausdruck zu verleihen. Durch die Gestaltung kommt noch eine weitere Dimension ins Spiel, die sich in der Illuminationsphase als sehr unterstützend erweisen kann.

Soviel zum Thema: Poesietherapie und die Kraft des Schreibens.                                HEIMES S.(2008): Kreatives und therapeutisches Schreiben, LUTZ W.von (2011): Die heilende Kraft des Schreibens, RIEDEL I. (2004). Maltherapie

 

 

Malen als Anspruch?

Kurzmitteilung

„Ich kann nicht malen!“

„Ich bin absolut untalentiert“, „Ich werde das nur ruinieren !“ Ich bin diesen Fragen nachgegangen, da es für so viele Menschen eine Hürde darstellt, Farbe auf ein Papier oder eine Leinwand zu bringen. Worin begründet diese Zurückhaltung ? Diese Aussagen schicken entweder einen hohen Anspruch voraus, oder eine Erfahrung im Malen und Gestalten, die einer Beurteilung ausgesetzt war. Meistens begegnen wir solchen Bewertungen in der Schule.

Malen ist ein schöpferischer Akt, dem ein wertfreier Raum gebührt. Ich bestimme das Tempo, die Bewegung und die Komposition, unabhängig davon, ob es für mich ein Thema gibt. In der Hinwendung und Gestaltung liegt eine ganz besondere Kraft und Entfaltung. Und das für Jeden. Wenn Kreativität als Grundprinzip im Leben gilt, und davon bin ich überzeugt, dann stellt sie auch eine bestimmte Form von Energie dar. Wenn wir uns dieser schöpferischen Kraft öffnen, dann setzen wir auch Energie frei. In der Weise, in der wir uns unseren kreativen Seiten zuwenden, begegnen wir uns tief im Vertrauen in unser Selbst.

.„Es gibt eine Vitalität, eine Lebenskraft, eine Energie, die nur durch unser Handeln umgesetzt werden kann. Und weil es dich in der Gegenwart nur einmal gibt, ist auch dein Tun einmalig. Wen du es blockierst, wird es durch kein anderes Medium zum Ausdruck kommen. Es wird verloren gehen“ (Martha Graham).

Soviel zum Thema: “ Ich kann nicht malen!“