Der Versuch einer  unpolitischen Betrachtung. Jedoch politisch motiviert, aufgrund der Situation meiner „wählenden Tochter“.

Wer die Wahl hat…..hat die Wahl. Ja. Aber muss die Entscheidung auch eine Qual beinhalten? Es ist immer eine Entscheidung, und Entscheidungen werden nach ganz unterschiedlichen Kriterien gefällt. Entscheidungen sind manchmal unangenehm, da ja damit immer ein Verlust einhergeht, und eine neue Konsequenz damit verbunden ist. Entscheidungen können aber auch immer gewinnbringend sein.

Warum ich mich diesem Thema widme, ist, die aktuell sehr intensive Auseinandersetzung mit meiner sechzehnjährigen Tochter, die über dieses Thema der Entscheidung, „Wahlfreiheit“ und, der auch oftmals beinhalteten Angst der Entscheidung, in der Schule referiert hat. Sie hat sich sehr intensiv damit auseinandergesetzt.

In mir hat es auch erneut Fragen aufgeworfen. Sind Jugendliche nicht manchmal auch wirklich überfordert mit Entscheidungen? Ich versuche meinen Kindern sehr viel Platz in ihrer Meinungsbildung ein zu räumen, und in ihren Entscheidungen. Doch in mir drängt sich dieses leise, unangenehm aufkeimende Gefühl auf, dass es manchmal einfach auch zu wenig Zeit für genau diese Auseinandersetzung mit so wichtigen Themen gibt, die Jugendliche auch in eine Ausgangslage bringen, um sie zu wirklich zu entscheidungsfähigen Menschen erwachsen zu lassen. Von schulischer Seite her habe ich manchmal den Eindruck, dass hier sehr viel gefordert wird, aber zu wenig  wirklich in eine aktive Auseinandersetzung in der Mitbestimmung der Schüler investiert wird. Die Stundenpläne sind gespickt voll mit der Vollstreckung eines Lehrplans. Jedes Fach verlangt  Aufmerksamkeit, und hat die Pflicht geprüft zu werden. Das ist alles legitim und gut, da Gelerntes auch überprüft werden kann. Jedoch, was mir in dieser schulischen Betrachtung so fehlt, ist Zeit. Es gibt immer weniger Zeit. Warum muss ich in eine Woche 2 Schularbeiten, 2 Referate und zusätzlich Hausübungen  packen? Das erzeugt Stress bei den Schülern, Stress bei den Eltern und auch Stress bei den Lehrern, da ja am Ende der Elternsprechtag längern dauern könnte, womöglich.

Eine Wahl zwischen. Wählen zwischen verschiedenen Möglichkeiten ist ja, denke ich,  eine Bereicherung des Lebens. Aber es braucht letztendlich die Voraussetzung einer Entscheidungsfähigkeit, die auf Vorkenntnissen und Vorwissen beruht, damit ich, für mich selbst eine Entscheidung treffen kann, unabhängig von den Eltern, mainstream, social media und Freunden. Ich begrüße das Wahlalter ab 16. Ich vermisse aber die politische Bildung und aktive Auseinandersetzung mit Politik und Gesellschaft in den Schulen. Ja , es passiert hier und dort. Auch zu Hause, natürlich. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass vielerorts Jugendliche  mit dieser Wahlentscheidung überfordert sind, da sie vielleicht „postfaktisch“ entscheiden, und kaum Zeit und Raum haben, sich selbst noch eine Meinung dazu zu bilden.

Bildung braucht Raum . Bildung braucht Zeit. Mehr denn je. Da bin ich jetzt politisch motiviert.

 

 

 

„Tags“ oder ein „Tag mit Schlagwörtern“

……von „A“ wie Achtsamkeit bis „Z“ wie Zeit

„Achtsamkeit“ an der Spitze des Alphabetes, wie „Zeit“ am Ende der Buchstabenfolge, hat mich erst kürzlich wieder einmal zum Schmunzeln gebracht.                                         Als ich begonnen habe meinen Blog zu schreiben, waren Tags nicht wirklich Teil meines Lebens.

Wenn ich sie jetzt lese, dann liest sich das wie eine kleine Geschichte, die sich zwar nur aus Begriffen zusammensetzt, aber im Endeffekt einen kleinen Wegweiser darstellen. Einen Wegweiser, der mich immer wieder zu den Themen und Auseinandersetzungen geführt hat, die mir wichtig waren und immer noch wichtig sind. Darum finde ich den Begriff „Tag“. aus dem linguistischen Wortschatz der Informatik auch treffender als „Schlagwörter“, da die Übersetzung von „Tag“ (aus dem Engl.dafür :Etikett, Mal, Auszeichen) für mich, den Sinn eines Datenbestandes mit zusätzlichen Informationen umschreibt.

Schlagwort hingegen, (ein Begriff der Sprachwissenschaften) klingt nicht nur bedrohlicher, sondern, wird auch als Ausdruck oder Spruch bezeichnet, der durch besondere Beachtung, ein mehr an Aufmerksamkeit erzeugen soll.

Eine Unterscheidung zwischen Tags und Schlagwörter, ist für mich hier, eine Unterscheidung in der Wirksamkeit und in der Auffassung. Während das Eine für Inhalt und Information steht, steht das Andere mehr für ein Mehr an Aufmerksamkeit, und manchmal für ein weniger an inhaltlichem Anspruch. Beides verfolgt das Gleiche , allerdings mit anderer Herangehensweise.

Beschäftigen wir uns mehr mit Schlagwörtern, denen wir ein mehr an Aufmerksamkeit geben, oder geben wir den Tags mehr an Aufmerksamkeit, indem wir uns inhaltlich mehr an das halten, das unserer Überzeugung und Prüfung standhält, und letztendlich ein mehr an Zeit einfordert?

Achtsamkeit und Zeit, „Tags“ im alphabetischen Zusammenhang, die eine Geschichte eingehen. Eine von A bis Z.

Hier: noch eine Geschichte aus dem Journalismus dazu:                                                https://www.fischundfleisch.at/blogs/jetzt-ich/dieser-verflixte-klick-journalismus.html

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31.12.2014. An der Stelle sollte jetzt wohl ein Jahresrückblick erscheinen. Aber warum eigentlich? Warum sollte man zurückschauen? Ist es der Blick zurück,der einem etwas versichert? Oder der Blick, der auch manchmal wichtig ist, um voranzukommen? Dahingestellt.

Blick bleibt Blick, wohin auch immer!

Und ich lasse mir nicht nehmen, einen frischen Blick ins neue Jahr zu wagen, und eine vage Vermutung anzustellen, dass das neue Jahr mit 1.Jänner beginnen wird, und, ob mit, oder ohne Feuerwerk, es wird einfach da sein. Wie schön. Ich freue mich darauf.

Dann möchte ich es ganz herzlich begrüßen. 2015 here to come!

 

Wiener Tag der Bildung

Kurzmitteilung

In der KVH Lazarettgasse/ 18.09. ab 18.00h

„Pinselstrich trifft Tafelkultur“
Die Porzellanmalerei ist so alt wie ihre Entstehungsgeschichte. Gewinnen Sie einen Einblick in die seit 1718 tradierte Technik dieser feinen „Auf-Glasur-Malerei“. Sie lernen Grundkenntnisse des Farbmischens, Zeichnens, Lasierens und Schattierens.
Mit einem neuen Blick über den Tellerrand hinaus, kreieren Sie ihr ganz persönliches Design, und setzen dieses auf einem Gegenstand ihrer Wahl, um. Material (Pinsel, Farben, Paletten etc.) wird bereit gestellt und gesondert verrechnet (€ 25,00).

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Informationsabende für den Kurs Porzellanmalerei mit der Möglichkeit, Porzellanwerkstücke für die Kursteilnahme auszuwählen und zu bestellen (Bezahlung bei Bestellung, Erhalt bei Kursstart) für das Herbssemester am Donnerstag, 18. September 2014; für das Frühjahrssemester am Donnerstag, 29. Januar 2015, jeweils 18–19 Uhr.

K 23 Barbara Steiner € 100,50
02. Okt−30. Nov        Do 18:00–21:00         15 UE/ 5 x / 6−10 TN

K 23 Barbara Steiner € 100,50                                                                                             12. Feb−12. Mär         Do 18:00−21:00         15 UE / 5 x / 6−10 TN


 Anmeldung: Tel.: +43 1 891 74-154000/www.vhs.at/kvh                      

Bei weiteren Fragen können Sie mich gerne kontaktieren: Tel.: 0650/3051092/ barbarasteiner@schreibmalstatt.at                             

Ein Tanz im Rad

„Psychologie-Leben-Heute“

In der Auseinandersetzung mit der Geschichte der Naturvölker Amerikas und deren Lebenspraktiken und Einsichten, bin ich auf ein paar interessante Details gestoßen. In der weit verbreiteten Annahme, dass die Quelle aller Schöpfungen, durch den großen Geist gespeist wird, die als schöpferisch-begriffliche Kraft weibliches und männliches Potential in sich vereint, lassen sich Parallelen zu der Jungschen Auffassung des Individuationsprozesses erkennen.

Das Symbol „Kreuz in einem Kreis“, dessen Kardinalpunkte gleichermaßen Berührungspunkte darstellen und somit die vier Himmelsrichtungen markieren, ist Ausdruck all unserer Kräfte, die im Kreislauf der Natur ihre Vollendung finden. Aus dieser Symmetrie und den Kreuzungspunkten, wurden die fünf Aspekte des Menschen abgeleitet, die sich aus den emotionalen, körperlichen, geistigen, spirituellen und sexuellen Anteilen unsere Persönlichkeit zusammen setzen. Jeder Anteil hat einen fixen Platz im System und steht auch in Beziehung zu. Eine verhältnismäßig gleichberechtigte Aufteilung. Das wiederum, verlangt nach Balance.

Im ursprünglichen Bild der Indianer war das Kreuz in die vier Elemente unterteilt, worin Luft dem Norden, Feuer dem Osten, Erde dem Westen und das Wasser dem Süden zugeteilt wurde. Die Mitte und der Schnittpunkt, stellte den „gestaltfreien Geist“ dar, jener, der Alles in sich vereint. Ein Zusammenwirken aller Elemente in ungeformtem Zustand. Dieser Punkt wird bei C.G.Jung mit dem kollektiven Unbewußten und dem Archetypischen assoziiert. (vgl. LOOMIS, 1994)

Die Wesensmerkmale der Elemente beruhen auf: dem Fließen, dem Halten, dem Aufnehmen und  dem Umwandeln von Kräften.

Mit anderen Worten ausgedrückt, können wir aus all den elementaren Kräften eine bestimmmte Lehre ziehen. Kurzum: Alles ist mit Allem verbunden. Das wiederum würde bedeuten, dass, wenn wir erkranken oder an seelischer Not leiden, aus welchen Gründen auch immer, es einer ganzheitlichen Sicht bedarf, um die Balance wieder her zu stellen. Wenn unserer Verbundenheit nicht dort aufhört, wo wir glauben,dass es eine physische Trennung zwischen mir und der Umwelt gibt, dann ermöglichen wir uns, sich unserer fundamentalen Kräfte zu bedienen. Was aber noch lange nicht bedeutet, dass das Auftreten von  Gefühlen wie Ärger, Stress, Depression oder anderen Symptomen deswegen gebannt ist. Gerade diese Äußerungen sind wunderbare  Indikatoren von Kräfteverschiebeungen innerhalb unseres Systems. Und da wir ja nicht nur von Emotionen geleitet werden, nimmt innerhalb des Kreissystems auch die Kraft des Geistes eine tragende Rolle ein. Auch hier gibt es interessanterweise eine Sicht von C.G.Jung, die sich mit der Entwicklung des Geistes, hin zur Ganzheit, beschäftigt.                                     “ Werde der/die du bist!“. Ein Individuationsprogramm.

Der elementare Geist, der sich aus einer Selbstzentrierung, hin zu einer Selbsdisziplinierung bis hin zu einer spirituellen Entfaltung, entwickelt.

Die Ureinwohner Amerikas nannten diese Veränderungen innerhalb des Kreises, den „TANZ DES RADES“ und diese Beschreibung finde ich sehr schön, da sie aufzeigt, das eine Veränderung nie linear stattfindet, sondern sich rhythmisch mit und im Kreis der Zeit weiter dreht. Die Veranschaulichung des Zusammenwirkens zwischen den fünf  Aspekten in unserem Leben, die einander bedingen, einander brauchen und nähren, gleicht einem Schaltkreis, der in all seinen Funktionen stets bedient werden kann. Die  Ausrichtung des  Systems auf seine elementaren Stärken: zu fließen, zu halten, aufzunehmen und umzuwandeln, verlangt keine großen Eingriffe, aber manchmal vielleicht neue Einblicke!

Einblicke, die wir auch rück-blickend betrachtet, als das größte Geschenk unseres Lebens annehmen können.  Ein System, das alles bereit hält. Ein System, dass sich nicht dem Kräftemessen verschreibt, sondern Kräfte so nützt, dass sich aus jeder neuen Situation das zu  entwickeln vermag, wofür es die Energie bereithält.                                              Ein ewiger Kreis. Ein schöner Gedanke.

Soviel zum Thema: Ein Tanz im Rad- Psychologie-Leben-Heute

 

Kreativität und Neurobiologie

Ein interessantes Buch, dass mir vor Kurzem in die Hände gefallen ist, veranlasste mich, wieder einmal ein paar Fragen nachzugehen.

Gerald Hüther, Neurobiologe, Professor an der Psychiatrischen Klinik in Göttingen, und Autor zahlreicher populärwissenschaftlicher Beiträge, hat sich in seinem Buch mit der Thematik: Leistungsdruck und Stress versus Kreativität und Begeisterung, auseinandergesetzt. Die steigende Zahl an Erkrankungen wie Burnout, Depession und Demenz, scheint in einem direkten Zusammenhang mit den zum Teil, einseitigen und  begeisterungslosen Anforderungen unserer Zeit an uns Menschen, zu stehen. Wie kommt es dazu, dass es möglich ist, „auszubrennen“? Wie kommt es zu einer derartigen Erschöpfung?

Wahrscheinlich ist es nicht einfach, das zu beantworten, jedoch fand ich einige Aspekte aus der Hirnforschung, die für mich eine logische und schlüssige Konsequenz darstellen, und für mich als Befürworterin der Kreativität, einen wissenschaftlich untermauerten Zugang geschaffen haben.

Geprägt von einem Ich-Bewusstsein und einem Wir-Gefühl, werden in uns verschiedene Muster angelegt, die erfahrungsgemäß in einem neuronalen Netzwerk ausgebildet werden. In der Weise entstehen Erregungsmuster, die, je häufiger sie bedient werden, ein umso stabilerers und komplexeres Gebilde errichten. Diese „inneren Bilder“ werden abgelegt und sorgen immer dafür, dass, sobald ich mit anderen Menschen in Beziehung trete, ein spontaner Abruf an mein inneres Handlungskonzept in Gang gesetzt wird. Wir lernen anfänglich großteils  durch Imitation und in Beziehungen.

Wenn ich für einen kurzen Moment das Gedankenexperiment durchführe, in einem völlig anderen Teil der Welt geboren worden zu sein, zBsp. in Grönland oder Zentralafrika, so würde mein Leben durch meine Erfahrungen zur Gänze anders aussehen. Aber, dass sich das menschliche Gehirn innerhalb gewisser Erfahrungsmuster entwickelt, bedeutet auch, dass zum Großteil, die soziokulturelle Umwelt mitverantwortlich ist für die neuronal verschaltete Architektur des Gehirns. In dieser ständigen Orientierung an der „Umwelt“, mit dem daraus resultierenden Anpassungsprozess, stellt sich auch eine schleichende Unterdrückung eigener Bedürfnisse ein. Der Preis des „Dazugehörenwollens“ ist ein sehr hoher, und kann schließlich dazu führen, dass wir in konservativ, angepasster Weise ( ohne das werten zu wollen) eng verbunden bleiben. Oftmals ergibt sich im Zusammenleben eine fast unüberwindliche Widersprüchlichkeit, die wahrscheinlich auf der Tatsache unterschiedlichster Vorstellungen und Prägungen beruht.

Vorstellungen und Ideen können wie selbstgeschmiedete Ketten ins unserem Gehirn verankert sein. Verschaltungsmuster, die wie innere Überzeugungen unser Denken leiten. Eine allzu einseitige Erfahrungswelt verschaltet die Nervenwege allmählich zu immer breiteren Bahnen, und wenn man nicht aufpasst, zu betonierten Autobahnen, die nur mehr gerade aus führen.

Oft ist es dann sehr schwer, diese neuronalen Highways zu verlassen. Das Abbiegen auf andere Wege bedeutet meistens eine Destabilisierung der vorhandenen Reaktionsmuster. Also, wie kann ich einen niederen Gang einlegen und einen anderen Weg einschlagen? Einmal vorausgesetzt, ich möchte die Autobahn verlassen, brauche ich zumindest die Vorstellung dessen, wohin ein anderer Weg führen kann.

In unserer technokratischen Welt ersetzen Geräte unsere Handlungen in effizienter Weise. Niemand wird einer Waschmaschine die Sinnhaftigkeit und Ersparnis an Arbeit absprechen wollen. Es verlangt manchmal nur nach der Frage, ob wir nicht oft genug mit Maschinen verglichen werden, die eine rationale Produktion verlangen, aber keineswegs vergütet!  Gesteigerte Produktivität verlangt nur eins:– Leistungsdruck- der durch Wettbewerb geschürt, nur dazu führen kann, dass ein immer mehr an “ Etwas“, ein immer weniger an “ für Uns“ bedeutet.

Wenn wir in einem neuen Gedankenexperiment die Schnelligkeit unserer Autobahn verlassen, um uns auf einen neuen Pfad begeben. Was passiert? Möglicherweise wird die Angst, nicht mehr mithalten zu können, vordergründig sein, sich nicht mehr mit denen messen zu können, die in hoher Fahrt unterwegs sind, lässt uns wie Verlierer da stehen. Aber was habe ich von einem Leben in Konkurrenz und Nachahmung? Wo bleibt meine Wahrnehmung im Leben, die ich von Anfang an mitgebracht habe? Wo bleibt meine Begeisterung für das Leben?

Begeisterung ist Dünger fürs Hirn“. Dieser Satz hat mich am Nachhaltigsten  aus dem Buch von Gerald Hüther geprägt. Vielleicht kann  dieses Begeistern für Etwas im Hier und Jetzt, die Würze für unser Leben selbst geben. Im subjektiven Empfinden und Erfahren liegt ein wesentlicher Aspekt unseres Tuns. Die Begeisterung im und am Leben ist  Nährstoff, die uns zu einer Gestaltungsfreude führt, die in uns einen neuen Weg ebnet, der alte Bahnen verlässt. In dem Maße, wie wir unsere innere Struktur unterdrücken oder zulassen, wird sich auch unsere Begeisterung entfalten können.

Kreativität ist ein Teil des Schöpfens in uns, die Neues entdeckt und Neues gebiehrt. Wenn wir nicht länger dem „ERschöpfenden“ Teil in uns, den Platz einräumen, den wir für ihn geschaffen haben, dann können wir endlich das wahrnehmen, dass in uns als die Kraft verankert ist, wonach wir alle leben und leben können:

“ SCHÖPFERISCH, KREATIV und BEGEISTERT“

HÜTHER, Gerald (2011)

Arno Stern: „Malen im geschlossenen Raum“( Closlieu)

Angeregt durch den Film von Erwin Wagenhofer „alphabet“, der zur Zeit im Kino läuft, möchte  ich ein paar Gedanken dazu schreiben. Nicht das Bildungssystem ist für mich das Thema, denn, ich bin fest davon überzeugt, dass dieses schon längst überholt ist und nicht den Anforderungen der Kinder gerecht wird oder vielleicht niemals wurde. Der zentrale Punkt dieses Films ist für mich das Portrait von Arno Stern und seinem „Malort“.

Arno Stern ist einer jener bemerkenswerten Menschen unserer Zeit, der im Krieg mit seinen Eltern emigriert, Zuflucht in Frankreich fand, und dort auch sein Schaffen begann. Aus seiner Tätigkeit im Waisenhaus (1946) , Kinder zu beschäftigen, entwickelte sich schlussendlich, sein „Malort“ (1949) im Pariser Stadtviertel Saint-Germains-de-Pres. Er schaffte einen Raum, der jedem ermöglicht, sein Innerstes auszuleben. Unabhängig seines Alters. Ursprünglich wollte er eine „Donnerstagsakademie“ gründen, da dieser Tag in Frankreich schulfrei war. In seinem Bestreben, jedem das zu ermöglichen, das sein Innerstes zum Spielen und Leben erweckt, gelangt er letztendlich zu dem Begriff der „Formulation“. Seine Absicht liegt im Dienen und der Möglichkeit einer praktischen Betätigung. Hier distanziert er sich auch ganz klar vom therapeutischen Auftrag des Malens.

Was für mich hier aber sehr faszinierend erscheint, ist die Tatsache, dass das Dienen im Vordergrund steht. Therapie im Sinne von Begleitung, bedeutet für mich nichts Anderes als den Menschen in seinem Wesen zu respektieren und im Sinne seiner Bedürfnisse zu dienen. Sich in diesen Dienst der Menschen zu stellen, ist eine wunderbare Aufgabe und ein schöner Gedanke. Er beinhaltet Vertrauen und den Glauben an ein Leben, das erfüllt ist von der Bereitschaft des „in -Beziehung-Tretens“, und nicht von einem Leben in Konkurrenz.

Auch in der kunsttherapeutischen Praxis geht es darum, dass es eine Form des „in Beziehung-Tretens“ gibt. In der Möglichkeit mich auszudrücken, finde ich auch den Weg mein Innerstes auszudrücken, in Wort oder Bild. Hier sind für mich klare Parallelen erkennbar. Nicht in der Interpretation eines Bildes liegt der Sinn, sondern im Entstehen und Sein.Das Spielerische, im Umgang mit  Farben und Formen, stellt einen Raum dar, der einen Anschluss an das eigene Potenzial schafft, und kreiert.

Soviel zu Arno Stern: „Ein Maldiener und Pionier“