Melancholie als positive Kraft

Eine vergessene Charaktereigenschaft?

Melancholie ist eine wunderbare Charaktereigenschaft, voll von Tiefgang, Kreativität und Leidenschaft. Am äußersten Ende der Melancholie lagert die Depression, die häufigste Volkskrankheit. Für Depressive wird es eine Erleichterung sein, aus den Tiefen des Tränensees wieder aufzusteigen und sich in das besinnlich schaukelnde Boot der Melancholie zu retten. Dass das möglich ist, zeigt dieses Buch. Man sollte die Melancholie nicht bekämpfen, sondern akzeptieren. Ein Plädoyer für die Melancholie als positive Kraft. Originalausgabe 2001 im Kreuz Verlag (Stuttgart)

Die Schöpferkraft der süßen Schwermut wird in diesem Buch neu entdeckt. In ihrem Wert erkannt, sollte deshalb die Melancholie nicht bekämpft, sondern akzeptiert werden. Wünschenswert wäre also nicht weniger, sondern mehr Melancholie auf dieser Welt – dann gäbe es weniger Gewalt, weniger Elend, mehr Gleichklang mit dem natürlichen Rhythmus unserer Erde, mehr profundes Wissen und mehr Liebe. Ein Plädoyer für die Melancholie als positive Kraft.

Jeder Mensch hat Melancholie befördernde Momente in sich, aufgrund derer er in bittersüßer Stimmung und Schwermut versinken kann. Weil die Melancholie nicht in den heutigen Zeitgeist und zu unserer Spaßkultur passt und zudem verdächtigt wird, Grundlage einer abnormen Geisteshaltung zu sein, leben wir sie nicht aus, sondern verdrängen sie lieber.

Die wertvollen Aspekte und Effekte dieser »wunderbaren Charaktereigenschaft«, die durch Ernsthaftigkeit, Tiefgang, und Empfindsamkeit gekennzeichnet ist, arbeitet Josef Zehentbauer in seinem Buch »Melancholie – Die traurige Leichtigkeit des Sein« heraus. 300 Jahre nach dem grundlegenden Werk von Robert Burton schlägt Zehentbauer eine Bresche für die Melancholie, die nicht therapiert oder gar bekämpft werden sollte, sondern als »Spannung zwischen Trauer und Licht« ausgehalten sein will. Dabei spannt er einen weiten Bogen. Er rekurriert auf die Philosophie und Geistesgeschichte, bezieht sich auf Gedichte und Zitate, die zum Nachdenken und Innehalten einladen, schildert Fallbeispiele aus der psychotherapeutischen Praxis und gibt praktische Ratschläge, wie melancholische Menschen ihre oftmals befremdende Schwere in positiv besetzte Lebensenergie wandeln können.

Zehentbauer will die Melancholie nicht nur rehabilitieren, weil ihr kreative Potenzen innewohnen. Er weiß an melancholischen Charakteren, die er mit großer Achtung und Empathie beschreibt, vor allem zu schätzen, dass ihre Fragen und ihr Zugang zur Welt von existenziellen Dimensionen getragen sind. So setzen Melancholiker einer primär an Konsum und Spaß orientierten Welt andere, komplexere Werte entgegen. Und genau deshalb, weil sich melancholische Menschen kontraproduktiv zum herrschenden Zeitgeist verhalten und Möglichkeiten eines anderen »modus vivendi« antizipieren, plädiert Zehentbauer für ein Mehr an Melancholie.

 Über den Autor

Josef Zehentbauer, geboren 1945, verheiratet, vier Kinder, Dr. med., langjährige Tätigkeit als Allgemeinarzt und Psychotherapeut in einer psychosomatisch-orientierten Gemeinschaftspraxis in München. Früher ärztliche Tätigkeit in Afrika (Nigeria) und Indien (Kalkutta), mehrjährige Arbeit in der Neurologie, in verschiedenen psychiatrischen Kliniken und der Akutstation einer Nervenheilanstalt sowie gemeinsame Projekte mit Franco Basaglia und anderen Exponenten der ›Kritischen Psychiatrie‹ Italiens. Mitarbeit an Fernseh- und Rundfunksendungen zum Thema Psychopharmaka. Zahlreiche Veröffentlichungen, Vorträge und Seminare über Psychiatrie, Psychopharmaka/Psycho-Drogen, Medizinkritik, Psychotherapie und alternative Heilverfahren.

Mich hat dieser Artikel besonders deswegen berührt, weil es etwas ist, worüber man selten bis gar nicht spricht. Es passt nicht in unsere, vom Leistungsethos geprägte, und der von Spaß-und Glücksindustrie gefütterte Gesellschaft. Momente , die von Tiefgang, Kreativität und Leidenschaft geprägt sind, haben in einer Neoliberalen, kapitalistischen Welt wohl kaum den selben Stellenwert. Rationalität, Evaluierung und Vereinheitlichung lassen selten Momente wie Tiefgang, Kreativität und Leidenschaft zu.

Eine Informationsseite von Peter Lehmann Publishing

Ich bin wie immer , und dieses mal ganz besonders: für ein mehr an: Melancholie als positive Kraft, Eigenverantwortung und Prävention, und ein weniger an Vereinheitlichung.

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