Schwarz, eine Farbe?

Ist Schwarz eine Farbe? Ja und nein. Es verhält sich ein wenig genau so, wie mit dem Weiß. Im physikalischen Sinne ist sie es auch hier nicht. Umso mehr ist sie die Farbe mit starker Symbolkraft, großer Vergangenheit und konservativer Gegenwart. Nicht nur. Immerhin rangiert sie in der Beliebtheitsskala an vierter Stelle. Trotz oder vielleicht auch wegen der Assoziation zum Ende und zum Tod. Der Maler Wassily Kandinsky meinte dazu:“Und wie ein Nichts ohne Möglichkeit, wie ein totes Nichts nach dem Erlöschen der Sonne, wie ein ewiges Schweigen ohne Zukunft und Hoffnung, klingt innerlich das Schwarz“.

In kultureller und gesellschaftlicher  Hinsicht geht sie oft mit der Erfahrung von Trauer, Einkehr und dem Verlust der Lebensfreude, einher. In Kombination mit anderen Farben bewirkt Schwarz oft eine Verkehrung ins Gegenteil. Rot steht allgmein für Liebe. In Verbindung mit Schwarz wird es zum Hass.                                                                     Wer „schwarz malt oder sieht“, der wird allgemeingültig als Pessimist bezeichnet. Durch und durch böse zu sein, bedeutet: ein „schwarzes Herz“ zu haben. In England gilt ein „black look“ als Bezeichnung eines bösen Menschen. Wohingegen der bekannte „schwarze Humor“ englischer Tradition, einen sehr kritischen Blick auf die Gesellschaft wirft. Der gefürchtete „blackball“ entscheidet über die Aufnahme oder Ablehnung in einem Club, die durch die Wahl weißer und schwarzer Kugeln entschieden wird. „Blackmail“ (schwarze Post) verheißt nichts Gutes, da es um eine Erpressung geht.

Die Farbe des Unglücks. Im politischen und wirtschaftlichen Kontext, vorallem bekannt durch die „schwarzen Freitage“ an der Börse. Auch der Aberglaube vertraut in die Wirkung des Schwarz; wie in der schwarzen Katze, dem Unglücksraben und den schwarz gekleideten alten Frauen, die allgemein für Unheilvollbringendes standen. Auch die schwarze Magie verhieß Nichts Gutes und kooperierte mit der Macht des Bösen. Die dunkle Seite der Macht, verkörpert durch Darth Vader, als personifizierter Hass, im Dienste des Bösen. Einzig der Rauchfangkehrer hebt die Stimmung und verkörpert auch heute noch einen verlässlichen Glücksbringer.

Das Mittelalter und seine Schrecken. Die Wiederkehr Christi wurde vorausgesagt, blieb aber aus. Die Enttäuschung blieb, und das Zeitalter der Entdeckungen barg viel Ungewisses und verbreitete Angst und Unbehagen. Diese Bedrohung gipfelte schließlich in der  prognostizierten Ankunft des Antichristen. Man verdammte die Eitelkeit, die sich in der Prahl-und Prunksucht des Adels gezeigt hatte. Schwarz wurde zum Inbegriff des Demütigen. Der „schwarze Tod“, wie man die Pest auch nannte, wurde als Strafgericht Gottes gesehen. Mit Spaniens Weltmacht, durch die Errungenschaften der Seefahrer, wurde schwarz zur „Weltmode“.  Der endgültige Kampf zwischen König und Kirche wurde entschieden. Die weltliche Macht über Alles und Jeden erlangte Gültigkeit. Parallel dazu waren es auch die protestantischen Reformatoren, die ihre fromme Bescheidenheit in schwarzer Kleidung zur Schau trugen. Hier findet auch der schwarze Talar seine Geburtsstunde, der sich bis heute in der Gerichtsbarkeit gehalten hat.

Schwarz und die Individualität. Der Existenzialismus und seine Vertreter ( zBsp.: Sartre) trugen alle Schwarz als Zeichen der Abgrenzung und einer neuen Modephilosophie.  Eleganz ohne Risiko. Mit Coco Chanel betrat 1930 das „kleine Schwarze“ erstmals die Bühne und bekam eine formelle Note. Frack und schwarzer Anzug zählen immer noch zu den Klassikern festlicher Kleidung.

In Afrika, dem schwarzen Kontinent, zählt auch Schwarz zu der schönsten Farbe mit größter Bedeutung. Es symbolisiert die fruchtbare Erde, und ist somit in vielen Wappen vertreten. Der „schwarze Stern“ ist das Freiheitssymbol Afrikas.

Das Verbotene. Ob im Handel oder der Arbeit, oder ob im schwarz gebrannten Schnaps, hier ist Ungesetzmäßiges an der Tagesordnung. Schwarz gilt als Farbe der Anarchisten. Wer auf die „schwarze Liste „ kommt, der verbreitet Unsittliches in der Literatur.

Im Design besticht schwarz durch Sachlichkeit und Funktionalität. „form follows function“ Eine sich selbst genügende Form der Darstellung. In der Verbindung mit Weiß steht es für Hieb- und Stichfestes. Schwarz auf Weiß gedruckt, das hat Gewicht und wird als seriös empfunden. Bunt Gedrucktes fällt in den Bereich der Reklame.

Schwarz und die Kreativität. Das von K. Malewitsch 1913 erschaffene „schwarze Quadrat“ zählt zu den ersten Bildern des von ihm ernannten Suprematismus. http://de.wikipedia.org/wiki/Suprematismus. Eine absolute Empfindung von Gegenstandslosigkeit, basierend auf dem Werk von Robert Fludd, der in seiner Auseinandersetzung mit der Schöpfungsgeschichte mit dem Nichts, als „schwarzes Viereck“ , beginnt. Die „Schwarze Kunst“ verweist auf handwerkliche und künstlerische Tätigkeiten im Sinne der Vervielfältigung auf Papier seit dem Beginn des Buchdrucks. Lorna Simpson, eine zeitgenössische amerikanische Fotokünstlerin, spielt in ihren Arbeiten mit dem  Klischee und Rollenbild ihrer schwarzen Hautfarbe. http://www.zeit.de/2013/45/lorna-simpson-fotografie-ausstellung-muenchen

Soviel zu einer Farbe , die in gewisser Weise keine ist, und so viel kann!

 

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