„Weiß“

Ist Weiß eine Farbe?

Eigentlich ist sie mehr als das. Im physikalischen Sinn beeinhaltet Weiß alle Farben. Deswegen wird sie auch als die Vollkommenste aller Farben betrachtet. Und dennoch erachten nur 3%, von 2000 befragten Personen, diese, als ihre Lieblingsfarbe. Woher kommt das? Ist Vollkommenheit nicht das, was wir uns alle ersehnen? Nichtsdestotrotz: Etwas Vollkommenes impliziert auch etwas Absolutes, Ausschließliches und das wiederum schafft Distanz, da es nichts Anderes mehr zulässt. Das macht sie wiederum weniger tolerant und weniger sympathisch.

Das Weiß symbolisiert auch den Glauben und die Frömmigkeit. Unzählige Tierverkörperungen aus der Geschichte sind Zeuge dafür. Zbsp. Europa als weißer Stier, der hl. Geist als weiße Taube, das Lamm Christi, Einhorn, Ibis, Storch um noch weitere zu nennen. Bei den Ägyptern galt die Farbe Weiß, der Freude und dem Glück. Aber wenn man ein „Kind der weißen Henne“ war, dann war man in der Zeit der Römer geboren, und war mit Glück gesegnet. Also nicht so sehr das Streben nach Vollkommenheit stand hier im Vordergrund, sondern viel mehr der Glaube an das Glück, an etwas ganz Besonderes.

Weiß ist die Farbe der Unschuld, der Einfachheit und der Bescheidenheit. In der höchsten Form der Zurückhaltung und dem Verzicht auf Selbstdarstellung, findet Weiß als Trauerfarbe ,begünstigt durch die lokalen Baumwollvorkommen, in Asien seinen Ausdruck. In Europa hingegen, wo Baumwolle teures Gut war, blieb es lediglich den Königinnen und Fürstinnen vorbehalten, in weiß zu trauern.

Als „die“ Farbe der Wahrheit?, kennt das Weiß die Stärken in seiner Eindeutigkeit. Erstaunlich ist, dass auch die Wissenschaft zu einem hohen Prozentsatz mit weiß in Verbindung gebracht wird, obwohl sich diese  nicht zwischen zwei Extremen bewegt, und selten nach dem Entweder-Oder Prinzip vorgeht. Vielleicht ein Streben nach den vollkommenen Beweisen unserer Existenz? Sollte alles erklärbar sein, dann wäre keine andere Farbe wohl trefflicher als die Farbe, die alles in sich trägt. Das Weiß.

Sauberkeit, Reinheit und Allmacht. Zwei Assoziationen zu weiß, die ambivalente Gefühle hervorrufen. Zum Einen verbindet man damit Sterilität und krank sein, zum Anderen mit einer Hierarchie, der man ausgeliefert zu sein scheint, wenn man sich gerade in dem Zustand  völliger Schwäche befindet, und  man sich „den Göttern in weiß“ anvertraut. Die „weiße Weste “ rührt von einem in Rom praktizierten „Assessment“, wo sich Leute, die sich für ein Amt beworben haben, in einer weißen Toga ( candida: glänzendes weiß) der Öffentlichkeit stellen mussten. Darauf beruht noch heute der Begriff der Kandidaten.

Weiß als Satussymbol. Der Papst trägt weiß als ein Zeichen höchster Rangordnung. White ( der weiße Kragen) bllue collar workers- klar differenziert im Arbeiter und Angestelltenverhältnis.
Erst Mitte der 70iger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde diese Unterscheidung im englischen Sprachraum aufgehoben. Schon viel früher gab es Veränderungen in der Mode. Nach der französischen Revolution trugen viele Frauen weiß. Hier versprach das Weiß nicht Wohlstand und Adel, sondern standen für die Werte: Freiheit , Gleichheit, Brüderlichkeit (Schwesterlichkeit) und somit für geistige Größe. Hier vielleicht auch angelehnt an das klassisch-griechische Weiß der Antike. Männer blieben meist in edlem Schwarz gekleidet, besetzt mit weißem Kragen.

Auch die „Braut in Weiß“ rührt von einer Mode aus der Zeit, wo sich weiß  als „Frauenfarbe“ etabliert hatte. Immer schon war das Kleid zur Hochzeit  ein Kleid, das dem jeweiligen Stand entsprach, und lange den Gepflogenheiten des Adels unterworfen war.  Auch zu Zeiten Königin Victorias (1840), die sich mit dem Prinzen Albert von Sachsen-Gotha vermählte , und damit ein Zeichen setzte, dass über das Ritual hinaus, auch dafür eintrat, dass das Weiß des Schleiers, damit auch die englische Spitzenindustrie unterstützte. Als Zeichen geistiger Emanzipation.

Weiß als Kapitulation. Die weiße Fahne steht für Verhandlung und für Frieden.  Über Jahrhunderte hinweg tobte ein Kampf um die Vormachtstellung. Egal, ob in Frankreich , Italien oder Russland, es war stets ein Kräftemessen zwischen weltlichen und religiösen Mächten, obschon weiß eine Farbe des Geistes und der Frauen war.

Genauso wie es auch dem weiblichen Prinzip den Yin zugeordnet ist. Zarte , leise und weise Töne, umgeben vom Hauch der Sanftheit und der Sensibilität. Bianca und Blanche, als Mädchennamen, erinnern daran. Weiß vermittelt den Eindruck von „Leichtigkeit“. Es reflektiert die Sonnenstrahlen und wirkt kühlend.

Weiß  bei Nahrungs-und Gebrauchsmitteln, als Merkmal von Veredelung, erlangt heutzutage wohl nicht mehr den Stellenwert, den es einmal hatte. Sowohl weiße Taschentücher als auch gebleichtes Klopapier sind inzwischen so unnötig wie weißer Zucker. Dennoch halten wir an all diesen Dingen fest, obwohl sie meistens künstlich und substanzlos sind.

An manchen Dingen mag wohl schwer zu rütteln sein: Klaviertasten  in Grün/Rot?, Schach in Violett /Gelb?, Yin und Yang in Blau/Orange? warum nicht? all diese Farben verhalten sich komplementär zueinander und sind in ihrer Intensität und Polarität im Farbkreis ein in sich ergänzendes Gegenüber. Gerade so wie schwarz und weiß. Braucht es diese Polarität? Warum nicht neu überdenken, und dem Leben mehr Farbe geben?

So wie ein Weiß sein Schwarz braucht, so braucht ein Rot sein Grün, ein Gelb sein Violett, und  ein Blau sein Orange. Am Ende brauchen sie alle einander. Und dann, ist das Weiß nicht ganz mehr so Vollkommen, denn es gibt sie  ja nicht ohne den Anderen! Aber da gehört ja immer genau mehr als das dazu. Das bedeutet hinschauen, und Farbe bekennen. Es ist nie nur weiß und es ist nie nur schwarz. Farbe schafft immer ein mehr als das. Nicht in vollkommener Form, vielmehr in der Ergänzug zu. Eine Annäherung an.

Soviel zum Thema: Die Wirkung der Farben. Ist „Weiß“ eine Farbe?

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