„Rot“

Rot ist die zweite Grundfarbe mit der ältesten symbolischen Wirkung in der elementaren Erfahrung durch das Blut und das Feuer. Diese lebensspendende Kraft führte allerdings auch zu Menschenopfern und Ritualen wie dem Bluttrunk des Gegners in den Gladiatorenkämpfen oder den blutigen Grabbeigaben, die dem Verstorbenen noch Kraft mit ins Jenseits geben sollte. Amulette aus Korallen, rote Mützen und Bänder galten als besonderer Schutz vor dem „Bösen“. Auch wenn dieses magische Denken längst überholt scheint, so werden in China auch heute noch Kleinkinder rot gekleidet, da es für Schutz und Glück sorgen soll.

Rot ist „die  Farbe“der Leidenschaften – von der Liebe bis zum Hass, wird deutlich, wie groß die Palette an Gefühlen ist, die sich mit der Farbe verbinden lassen. Es steht für Energie, Lebensfreude, Aktivität und Glück, aber auch für Wut, Zorn, Aggression und Kampf. Je zarter das Rot umso positiver wird es bewertet. Ist das Rot farbintensiv und dunkel wird es oft mit Erotik und Sexualität assoziiert. Mars, dem Kriegsgott wird Rot in Form von Kraft und Aggression zugeordnet. Im Nahkampf floss Blut in Strömen. Todesurteile wurden in roter Tinte geschrieben und Henker trugen Rot. Die kirchliche Festagskleidung während der Passionszeit ist Rot und soll an das Leiden Christi erinnern.

Das Feuer – Hitze, Wärme und Begierde. Die Kraft des göttlichen Feuers diente vorallem der Vertreibung der dunklen Mächte. Es wirkte reinigend. Im alten Ägypten galt das Rote als zerstörerisch, da die sengende Glut der Wüste vernichtend war. Das Rot im kalten Russland hingegen wurde positiv bewertet und verehrt. Die „rote Ecke“ war Ehrenplatz für Ikonen.

In traditioneller Hinsicht war Rot lange Zeit die Farbe des Adels. Der mittelalterliche Standesdünkel schrieb genau vor, wer das „reine Rot“ tragen durfte, und wurde dies nicht eingehalten, wurde sogar die Hinrichtung vollstreckt. Selbst der Bauernkrieg um 1524 vermochte diese strengen Regeln nicht aufzuheben. Erst die Patrizier, ein aufstrebender bürgerlicher Stand, verschaffte sich das Recht, Rot zu seiner Farbe zu machen. Bis weit ins 18. Jhdt. war Rot in der Kleidung bei Jung und Alt dominierend.

Die Gewinnung der Farbe verdanken wir einer Schildlaus, der Kermeslaus, die vorwiegend im Mittelmeerreuam beheimatet war. Für 1kg der kostbaren Farbe, mussten 140 000 Läuse von der Eiche geschabt werden. Getrocknet und verrieben wurde es dann verkauft. Ein zweiter Farbstoff kam aus den Wurzeln der Krappstaude, die vorwiegend in Kleinasien wuchs. Erst im 16.Jhdt. gelang es diese Pflanze auch in Holland zu kultivieren. Aber auch durch die Entdeckung Amerikas kam eine Rotgewinnungsart hinzu. Die aus Mexico stammende Conchille Laus verdrängte die Kermes, da dieser Farbstoff weit ergiebiger war. Die Rotfärberei war allerdings im 18.Jhdt. sehr arbeitsintensiv. 17 Arbeitsgänge und eine Wartezeit von 5-8 Tagen waren dazu nötig. Erst Mitte des 19.Jhdt.lösten die chemisch hergestellten Anilinfarben die Künste der Färber ab.
Einzig Krapp als natürliche und lichtechte Farbe findet heute noch Verwendung, zBsp. in Lippenstiften und auch in der Porzellanmalerei als Abdecklack.

Das politische Rot ist eng mit dem Marxismus und Sozialismus verbunden. Im Russischen gehört das Wort „Rot“ (krasnij) zur gleichen Wortfamilie wie schön, gut und wertvoll. Der „rote Platz“. Es steht für Aufstand, Aufbruch und Arbeiterbewegung. Die rote Nelke als Symbol für die Novemberrevolution. Die rote Gefahr in China, die rote Khmer und nicht zuletzt als Propagandafarbe im Banner des deutschen Reiches.

Das Unmoralische, „redlight district“, das Lasterhafte und das Verpönte. Im Neuen Testament wird Babylon als die große Hure in roten und purpurnen Gewändern als der Inbegriff an Luxus und der Eitelkeit personifiziert. Wer rote Haare hatte, stand mit dem Teufel im Bund. Auch heute würde man eine Madonna mit rotem Harr als Blasphemie empfinden. Geschriebenes Rot erinnert an Korrektur und rote Zahlen an Verlust. Ein roter Faden zieht sich durch die Geschichte, der schon Ariadne das Leben gerettet hat.Die englische Marine drehte einen roten Faden in ihre Taue um sie diebstahlsicher zu machen. Rot ist funktional, signalisiert und warnt.

Das kreative Rot verspricht vorallem Dynamik und Schnelligkeit. Es gibt kaum eine Werbung ohne rote Autos. Die Surrealisten verwenden Rot gerne anstelle von Natürlichem. In Comics und Science Fiction unterstreicht das Rot Szenen in Aktion.

Das „rote Buch“ von C.G.Jung, das nach seinem Tod beinahe 50 Jahre unter Verschluss blieb, gilt sowohl als handgefertigtes Kunstwerk als auch als wissenschaftliche Abhandlung. Jung hat in seinem Lebenswerk  Träume, seelischen Abgründe, Fantasien und Visionen  in einer Art und Weise dargestellt, die versinnbildlicht durch Mandalas und kalligraphischen Zeichnungen an eine ganzheitlich buddhistisch und hinduistische Tradition erinnern.

Ein kleiner Abriss der Farbe „Rot“, und bei Weitem nicht alles, das dem Spektrum der Farbe gerecht wird. Ziemlich sicher entspricht es der Essenz der Lebenskraft.

 

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