„Die Wirkung der Farben“

Bei einer groß angelegten anonymen Befragung von fast 2000 Menschen im Alter von 14-83 Jahren, versuchte Eva Heller heraus zu finden, wie Farben auf uns wirken. Was lösen sie aus? Gibt es zu jeder Farbe eine Empfindung? Wie sind die symbolisch und kulturellen Wikungen? Wie verhält es sich zu Politik und Tradition? Haben alle Farben kreativen Charakter? Fragen die sich immer nur in einem bestimmten Kontext ableiten und zuordnen lassen. Im Ranking um die beliebtesten Farben, geht „Blau“ mit 38% als klarer Sieger hervor, gefolgt von „Rot“ mit 20%, „Grün“ mit 12% und nicht weit entfernt „Schwarz“ mit 8%. Alle anderen Farben liegen im 1-5% Bereich, wobei erstaunt, dass „Gelb“ und „Rosa“ die gleiche Beliebtheit bei 5% haben. Silber und Orange fallen aus der Bewertung raus. Dennoch gibt es auch hier Ergebnisse in deren  Wirkung und Eigenschaften.

Ich möchte meine nächsten Themen ganz den Farben widmen und obwohl das Goldgelb und Rot der herbstlichen Blätter dazu verleiten sich damit auseinander zu setzen, werde ich mit Blau in der Farbreihe beginnen. Ich möchte dazu einige interessante historische Hintergründe aus der Studie mit euch teilen.

Blau tritt in fast allen Bereichen des Lebens in Erscheinung. In der Befragung stellt sich Blau als die Farbe mit der größten  Sympathie, Harmonie, Freundlichkeit  und Freundschaft heraus . In der perspektivischen Darstellung wird Blau für Weite und Unendlichkeit eingesetzt. Die Elemente Wasser und Luft werden mit Blau assoziiert. In der  symbolischen Wirkung beschreibt es das Ungewisse, Unbestimmte ( eine Fahrt ins Blaue, blauäugig sein, ins Blaue reden) Hingegen steht Blau auch für Beständigkeit und Treue. Der englische Hochzeitsbrauch fordert: „something old, something new, something borrowed, something blue.“ hier für Treue stehend. Blau gilt als die Farbe der Romantik. Die blaue Blume der Sehnsucht in der Dichtung, unerreicht und fern. Wobei das Blau im symbolisch übertragenen Sinn auch für Kühle, Leistung, Konzentration und das Männliche steht. Blau zählt  zu den geistigen Tugenden. Die Entspannung zur „blue hour“ ist in England und Amerika beliebt, und leitet eine Erholung nach getaner Arbeit ein. Wenn sich die Farbe auf den Menschen bezieht, dann ist es sehr stark kulturabhängig. Wenn jemand den „blues“ hat, dann ist er trübsinnig. In Russland werden Personen mit blauem Charakter als sehr sanftmütig angesehen.. In Frankreich bedeutet „Parbleu“ (zum Blauen) einen Ausdruck des Erstaunens. In Holland spricht man von „Dat zijn maar blauwe bloempjes“( das sind nur blaue Blümchen) und meint ja nichts als Lügen.

In traditioneller HInsicht hatte die Farbe viel mit der Art ihrer Herstellung zu tun. Blaue Kleidung war einfacher im Färbeverfahren als etwa Rot oder Purpur. Übrigens rührt der Begriff des „Blau machens „ daher, weil die Färber, die das Blau aus den Waidpflanzen gewannen,  den Gärvorgang abwarten mussten und sich gerne mal in die Sonne legten. ( Und hier war bestimmt auch der eine oder andere Schnaps beteiligt). Mit der Erschließung neuer Handelswege wurde die Farbe jedoch bald durch das Indigo abgelöst, welche der deutsche Kaiser als die „Teufelsfarbe “ bezeichnete. Das preußische Heer war auf der Seite der Waidbauern, und „kämpfte“ um deren Fortbestand, indem sie die Soldaten mit blauen Uniformen einkleideten. Mit Ludwig dem XIV. wurde der Handel frei und das Blau bekam einen Klassenkampf dazu. Das Königsblau am Hof stand dem einfachen blauen Zwirn der Arbeitskleidung gegenüber.

Symbolische Wirkung bekommt das Blau auch im Zusammenhang mit dem Göttlichen. Es verkörpert in der Mariendarstellung das Ideal der hohen Werte. Früher war das Blau den Frauen und dem Weiblichen zugeordnet, so auch im blauen Schutzmantel der Madonna. Politisch bekam die Farbe in den sozialistischen Ländern besondere Bedeutung durch die gehießte Friedensfahne.  Machten die spanischen und irischen Faschisten durch ihre Blauhemden uniformierten Eindruck, galt  im Salon der Lady Montague der wollene blaue Strumpf ( anstatt dés üblich schwarzen, seidenen) eines befreundeten Botanikers als besonderes Zeichen, dass es hier nicht um Reichtum geht, sondern um Bildung. So wurden jene Frauen als Blaustrümpfe bezeichnet, denen der klassische Lebenszweck: Kinder, Küche, Kirche, nicht zum Leben gereichte. „Blue stocking clubs“ wurden großteils von Frauen besucht, die keinen Zugang zur Bildung hatten.

Das Blau in der gebrauchsmäßigen Farbgestaltung  ist eng verbunden mit Verständnis und Material. Es gibt viele Beispiele konventioneller Hinsicht. Das blaue Symbol für Kaltwasser durch eine andere Farbe zu ersetzen wäre schlichtweg unproduktiv. Auch bei Geräten würde das Blau nicht mit Betriebsbereit oder Stoppfunktion in Verbindung gebracht. Bei Nahrungsmitteln zählt Blau zu den Farben, die die größte Ablehnung hervorruft. So manch blau eingefärbter Geburtstagskuchen, blieb als Dekoration am Tisch stehen.

In der Kreativität sind den Farben kaum Grenzen gesetzt. Es gilt jedoch auch hier die allgemeine Auffassung, je größer die Freiheit in der Farbgestaltung ist, desto enger sind die Grenzen der Formgestaltung. In Chagalls und Van Goghs Bildern  dominiert das Blau sehr oft, allerdings immer in sehr naturalistischer Formensprache.

Dieser kurz gefasste Auszug einer lang tradierten Geschichte zu einer Farbe, nämlich, Blau, soll oder kann nichts weiter bewirken, als dass es zu jeder Farbe einen Bedeutungsinhalt gibt. Auch heute lösen Farben immer etwas Bestimmtes aus. Dieser große Erfahrungsschatz kann auch in der  kunsttherapeutischen Praxis dazu dienen, an die Anteile heranzukommen, die entweder hemmend oder fördernd sind. Damit zu arbeiten, ist ein unwahrscheinlich großer Reichtum. Das kollektive Unbewusste fördert all das zu Tage, das in uns gespeichert ist. Hier beginnen die Farben in ihrem ganz eigenen Spektrum zu wirken und ermöglichen so, dass wir uns in der Vielfalt ihrer Eigenschaften wiederfinden.

Soviel zum Thema: „Die Wirkung der Farben“ beginnend mit „Blau“

(vgl.HELLER 1999)

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