Arno Stern: „Malen im geschlossenen Raum“( Closlieu)

Angeregt durch den Film von Erwin Wagenhofer „alphabet“, der zur Zeit im Kino läuft, möchte  ich ein paar Gedanken dazu schreiben. Nicht das Bildungssystem ist für mich das Thema, denn, ich bin fest davon überzeugt, dass dieses schon längst überholt ist und nicht den Anforderungen der Kinder gerecht wird oder vielleicht niemals wurde. Der zentrale Punkt dieses Films ist für mich das Portrait von Arno Stern und seinem „Malort“.

Arno Stern ist einer jener bemerkenswerten Menschen unserer Zeit, der im Krieg mit seinen Eltern emigriert, Zuflucht in Frankreich fand, und dort auch sein Schaffen begann. Aus seiner Tätigkeit im Waisenhaus (1946) , Kinder zu beschäftigen, entwickelte sich schlussendlich, sein „Malort“ (1949) im Pariser Stadtviertel Saint-Germains-de-Pres. Er schaffte einen Raum, der jedem ermöglicht, sein Innerstes auszuleben. Unabhängig seines Alters. Ursprünglich wollte er eine „Donnerstagsakademie“ gründen, da dieser Tag in Frankreich schulfrei war. In seinem Bestreben, jedem das zu ermöglichen, das sein Innerstes zum Spielen und Leben erweckt, gelangt er letztendlich zu dem Begriff der „Formulation“. Seine Absicht liegt im Dienen und der Möglichkeit einer praktischen Betätigung. Hier distanziert er sich auch ganz klar vom therapeutischen Auftrag des Malens.

Was für mich hier aber sehr faszinierend erscheint, ist die Tatsache, dass das Dienen im Vordergrund steht. Therapie im Sinne von Begleitung, bedeutet für mich nichts Anderes als den Menschen in seinem Wesen zu respektieren und im Sinne seiner Bedürfnisse zu dienen. Sich in diesen Dienst der Menschen zu stellen, ist eine wunderbare Aufgabe und ein schöner Gedanke. Er beinhaltet Vertrauen und den Glauben an ein Leben, das erfüllt ist von der Bereitschaft des „in -Beziehung-Tretens“, und nicht von einem Leben in Konkurrenz.

Auch in der kunsttherapeutischen Praxis geht es darum, dass es eine Form des „in Beziehung-Tretens“ gibt. In der Möglichkeit mich auszudrücken, finde ich auch den Weg mein Innerstes auszudrücken, in Wort oder Bild. Hier sind für mich klare Parallelen erkennbar. Nicht in der Interpretation eines Bildes liegt der Sinn, sondern im Entstehen und Sein.Das Spielerische, im Umgang mit  Farben und Formen, stellt einen Raum dar, der einen Anschluss an das eigene Potenzial schafft, und kreiert.

Soviel zu Arno Stern: „Ein Maldiener und Pionier“

Ein Gedanke zu „Arno Stern: „Malen im geschlossenen Raum“( Closlieu)

  1. das ist extrem schön gesagt. ich bin immer froh dass die Menschen die so denken doch hie und da in Erscheinung treten und find es ganz wichtig dass solche Gedanken ausgesprochen werden. Claudia

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