„Jeder Mensch ist kreativ!“

Diese, beinahe, plakative Aussage, stammt von keinem Geringeren als Stephen Nachmanovitch*, einer, der sich Kreativität zum Lebensthema gemacht, und durch ebensolche, die Spiritualität kreativer Prozesse in sein Leben integriert hat. In seinem Buch „DAS TAO DER KREATIVITÄT“ plädiert er für ein Leben mit der Kunst, und stellt die Frage, was uns eigentlich davon abhält, diese in unser Leben zu integrieren. In der Kreativität gibt es eine Vielzahl unerschöpflicher Quellen. Schon Michelangelos Theorie über die Skulptur, die schon immer im Stein gewesen ist, und nur darauf wartet, herausgelöst zu werden, klingt wie eine Aufforderung an ein Schaffen in uns. Diese Parabel veranschaulicht, dass etwas darauf wartet, geformt, gespielt und geschaffen zu werden.  Ungeachtet dessen, ob es sich um einen bildnerischen, tänzerischen, malerischen, musikalischen oder poetischen Ausdruck handelt. In der ganz persönlichen Wahrnehmung liegt der Zugang zur bewussten Erfahrung und Sinnesinformation.

Kreativität als leistungsfreie Zone ermöglicht uns in allen Bereichen zu erforschen und uns unserer Wünsche, Sehnsüchte, Sorgen und auch Ängste anzunehmen und zu benennen. Ich wage sogar zu behaupten, dass es für uns mehr als notwendig ist, sich in  anspruchsloser Haltung, unseren Themen zu widmen. Der innere Zensor, der unser Tun und Handeln täglich bestimmt, braucht gelegentlich eine Auszeit um an eine Achtsamkeit in uns zu gelangen, die unseren Leistungsaspekt auch einmal in den Hintergrund stellt.

Warum nehmen wir uns sowenig Zeit für Essentielles in unserem Leben? Eine nicht ganz einfach zu beantwortende Frage, die es aber wert ist, sich ihr zu widmen. Als Kind scheint es uns mühelos, diesem Drang und Spieltrieb zu folgen, zu entdecken und auszuprobieren. Diesem spielerischen Teil in uns schenken wir nur noch wenig Beachtung. Unsere Erziehung zielt zu sehr darauf ab unseren Intellekt einzusetzen und verdrängt unsere schöpferischen Seiten in uns. Wenn wir diesen wieder Platz einräumen und zu neuem Leben erwecken, entdecken wir möglicherweise verborgene Wünsche und Sehnsüchte. Schätze, die geborgen werden wollen und nicht länger in der kleinen Abstellkammer unserer abgestellten Kreativität allmählich  in Vergessenheit geraten. Es braucht keine Genialität eines Werkes von Michelangelo, Bach oder Rilke, um an sein eigenes Schaffen zu gelangen. Nur eine Hinwendung an die Seiten in uns, die nur dann erklingen und sich entfalten, wenn wir wieder bereit sind, hin zu sehen, zu hören  und zu fühlen.

Soviel zu: „Jeder Mensch ist kreativ!“

(*Stephen Nachmanovitch ist Musiker, bildender Künstler und Autor)

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